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Kurse & Werken

Upcycling im Werk- und Bastelunterricht

Aus Kartonrollen, Getränkekartons und Stoffresten entstehen neue Dinge. So setzen Sie Upcycling im Unterricht sicher, hygienisch und gestalterisch stark um.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Upcycling im Werk- und Bastelunterricht – Symbolbild

Upcycling heisst, aus vermeintlichem Abfall etwas Neues und Wertvolles zu machen. Eine Kartonrolle wird zum Fernrohr, ein Getränkekarton zum Portemonnaie, ein altes T-Shirt zur Tasche. Im Werk- und Bastelunterricht ist Upcycling weit mehr als eine Sparmassnahme: Es fördert Kreativität, Problemlösen und einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Im Lehrplan 21 knüpft es an die Bildung für Nachhaltige Entwicklung an.

Dieser Ratgeber zeigt, welche Materialien sich eignen, worauf Sie bei Hygiene und Sicherheit achten sollten und wie Upcycling-Projekte gestalterisch überzeugen.

Geeignete Materialien

Fast alles lässt sich wiederverwenden, aber nicht alles eignet sich für den Unterricht. Eine Übersicht:

Material Eignung Projektideen
Kartonrollen sehr gut, leicht zu bearbeiten Figuren, Murmelbahnen, Stifthalter
Schachteln und Wellkarton sehr gut Modelle, Puppenhäuser, Aufbewahrung, Masken
Getränkekartons gut, wasserfest Portemonnaies, Pflanztöpfe, Vogelhäuschen
PET-Flaschen gut, mit Vorsicht schneiden Pflanzgefässe, Windräder, Lampenschirme
Zeitungen und Zeitschriften sehr gut Pappmaché, Collagen, Flechtarbeiten, Perlen aus Papier
Stoffreste und alte Kleider sehr gut Taschen, Kissen, Flickenteppiche, Stofftiere
Korken, Kronkorken, Knöpfe gut Stempel, Mosaike, Spiele
Konservendosen nur eingeschränkt Stifthalter, Laternen – nur mit sicheren Kanten
Glas eher nicht für Kinder Windlichter mit älteren Schülerinnen und Schülern unter Aufsicht

Sammeln mit System

Damit im Werkraum kein Abfalllager entsteht, braucht es eine klare Organisation:

  • Gezielt sammeln: Bitten Sie Eltern und Kollegium nur um Material, das Sie für ein konkretes Projekt brauchen, mit Menge und Zeitraum.
  • Sortiert lagern: Beschriftete Kisten nach Material, etwa Kartonrollen, Getränkekartons, Stoffe, Deckel.
  • Regelmässig ausmisten: Was nach einem Semester nicht gebraucht wurde, geht ins Recycling.
  • Grösse begrenzen: Eine Kiste pro Material, nicht mehr. Das zwingt zur Auswahl.

Bewährt hat sich ein kurzer Elternbrief einige Wochen vor dem Projekt, in dem genau steht, was gebraucht wird: zum Beispiel «zehn ausgespülte Getränkekartons pro Familie bis Ende Monat». So kommt die richtige Menge zusammen, und der Werkraum wird nicht mit Material überflutet, das niemand braucht. Tipps zur Organisation finden Sie im Ratgeber Ordnung im Materialschrank.

Hygiene: sauber und trocken

Verpackungen von Lebensmitteln müssen vor der Verwendung gründlich gereinigt werden. Bitten Sie beim Sammeln ausdrücklich um ausgespülte und getrocknete Ware.

  • Getränkekartons und Joghurtbecher ausspülen und vollständig trocknen lassen, sonst bildet sich Schimmel.
  • Keine Verpackungen von rohem Fleisch, Fisch oder Eiern verwenden. Aus Hygienegründen verzichten manche Schulen ganz auf Eierkartons; wer sie nutzt, nimmt nur saubere, trockene Kartons ohne Rückstände.
  • Stoffe und alte Kleider waschen, bevor sie in die Materialkiste kommen.
  • Bei Allergien in der Klasse auf entsprechende Verpackungen achten, etwa von Nüssen.

Sicherheit beim Bearbeiten

Viele Upcycling-Materialien sind härter oder glatter als Bastelpapier. Das verlangt angepasstes Werkzeug und klare Regeln:

  1. PET und Getränkekartons: Den ersten Einstich macht eine erwachsene Person mit dem Cutter, danach schneiden die Kinder mit einer kräftigen Schere weiter. Nie in Richtung der haltenden Hand schneiden.
  2. Cutter: Nur auf der Schneidematte, mit Stahllineal und vom Körper weg. Klinge nach jedem Schnitt einfahren.
  3. Konservendosen: Nur Dosen mit glatt geöffnetem Rand verwenden und die Kanten zusätzlich mit kräftigem Klebeband abdecken. Löcher in Blech schlagen die Erwachsenen vor.
  4. Glas: Scherben sofort mit Handfeger und Schaufel entfernen, nicht mit den Händen.
  5. Heissleim: Feste Station mit Ablage, Hinweis auf Verbrennungsgefahr, kaltes Wasser in der Nähe.

Vom Bastelobjekt zum gestalteten Produkt

Upcycling-Arbeiten wirken manchmal improvisiert, wenn die Materialien ihre Herkunft zu deutlich zeigen. Mit einigen gestalterischen Überlegungen werden sie überzeugender:

  • Einheitliche Oberfläche: Eine Grundierung mit weisser Acrylfarbe oder Gesso deckt Aufdrucke ab und schafft eine ruhige Basis für die Gestaltung.
  • Reduzierte Farbpalette: Zwei bis drei Farben wirken stärker als ein bunter Mix.
  • Material sichtbar lassen: Umgekehrt kann es reizvoll sein, die Herkunft bewusst zu zeigen, etwa die Silberschicht im Inneren eines Getränkekartons.
  • Funktion ernst nehmen: Ein Portemonnaie muss sich öffnen und schliessen lassen, ein Stifthalter darf nicht umkippen. Prototypen testen und verbessern gehört dazu.

Für das Bemalen eignen sich Acrylfarben besonders gut, weil sie auf vielen Untergründen haften und wasserfest trocknen. Grundlagen dazu im Ratgeber Acrylmalerei für Einsteiger.

Projektideen nach Stufe

  • Kindergarten und Unterstufe: Tierfiguren aus Kartonrollen, Rasseln aus verschlossenen Bechern, Stempel aus Korken, Collagen aus Zeitschriften.
  • Mittelstufe: Murmelbahn aus Rollen und Schachteln, Pflanzgefässe aus Getränkekartons, Flechtarbeiten aus Zeitungspapier, Windräder aus PET.
  • Sekundarschule: Taschen aus alten T-Shirts oder Jeans, Portemonnaies aus Getränkekartons, Lampen aus PET mit LED-Teelichtern, Möbelmodelle aus Wellkarton.

Besonders ergiebig sind offene Aufgabenstellungen: Statt ein fertiges Produkt nachzubauen, erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Material und eine Funktion, etwa «Entwickle aus Getränkekartons einen Behälter für deine Stifte, der sich verschliessen lässt». So entstehen unterschiedliche Lösungen, die sich in der Klasse vergleichen und weiterentwickeln lassen. Das entspricht dem Designprozess im TTG-Unterricht mit Recherche, Experiment, Prototyp und Optimierung.

Für Modelle aus Karton lohnt sich ein Blick in den Ratgeber Modellbau mit Karton im Unterricht, für Bildarbeiten der Ratgeber Collage und Mixed Media.

Was zusätzlich gebraucht wird

Auch Upcycling kommt nicht ohne neues Material aus. Planen Sie Klebstoffe, Klebeband, Acrylfarben, Pinsel, Scheren, Cutter mit Schneidematten, Schnur und Faden ein. Für Textilprojekte kommen Nadeln, Garn und eventuell die Nähmaschine dazu. Halten Sie zudem genügend Schneidematten und Ersatzklingen bereit, denn Karton und Kunststoff machen Klingen schneller stumpf als Papier. Ein gut sortierter Grundstock an neuem Material sorgt dafür, dass das gesammelte Material sauber verarbeitet und überzeugend gestaltet werden kann. Passendes Material für den Werkraum finden Sie in unserem Bereich TTG-Werkmaterial.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Welche Materialien eignen sich für Upcycling mit Kindern?

Besonders gut eignen sich Kartonrollen, Schachteln, Zeitungen, Getränkekartons und Stoffreste. Konservendosen und Glas sind wegen scharfer Kanten und Scherben nur eingeschränkt oder für ältere Schülerinnen und Schüler unter Aufsicht geeignet.

Wie werden Lebensmittelverpackungen fürs Basteln vorbereitet?

Verpackungen gründlich ausspülen und vollständig trocknen lassen. Verpackungen von rohem Fleisch, Fisch oder Eiern sollten nicht verwendet werden.

Wie werden Upcycling-Arbeiten gestalterisch stärker?

Eine weisse Grundierung deckt Aufdrucke ab, eine reduzierte Farbpalette wirkt ruhiger, und funktionale Objekte sollten getestet und verbessert werden.