Collage und Mixed Media gehören zu den offensten und zugänglichsten Techniken der bildenden Kunst. Man braucht kein zeichnerisches Talent, um mit Schere, Kleber und gesammeltem Material eindrückliche Bilder zu schaffen. Gleichzeitig bieten die Techniken unendlich viel Tiefe für erfahrene Künstlerinnen und Künstler. Im BG-Unterricht, in Erwachsenenkursen und im Atelier eignen sie sich hervorragend zum Experimentieren.
Begriffe und Hintergrund
Unter Collage (von französisch «coller», kleben) versteht man ein Bild, das aus aufgeklebten Materialien wie Papier, Fotos, Stoff oder Fundstücken entsteht. Mixed Media bezeichnet allgemeiner die Kombination verschiedener Materialien und Techniken in einem Werk, also etwa Acrylfarbe, Collage, Zeichnung und Druck auf demselben Bildträger.
Kunstgeschichtlich haben Georges Braque und Pablo Picasso das «papier collé» zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Malerei eingeführt. Kurt Schwitters baute ganze Bildwelten aus Fahrscheinen, Etiketten und Fundstücken, Hannah Höch prägte die Fotomontage. Ihre Werke sind bis heute eine wunderbare Anregung für den Unterricht.
Der richtige Untergrund
Collagen werden durch Kleber und Farbe feucht und schwer. Der Untergrund sollte deshalb stabil sein:
| Untergrund | Eignung |
|---|---|
| Zeichenpapier ab ca. 200 g/m² | für kleine Collagen mit Klebestift und wenig Farbe |
| Aquarell- oder Mixed-Media-Papier ab ca. 300 g/m² | für nasse Techniken, Farbe und Kleber |
| Fotokarton oder Graukarton | stabile Basis, auch für Reliefcollagen |
| Malkarton | grundiert, ideal für Acryl und schwere Schichten |
| Leinwand auf Keilrahmen | für grössere, ausstellbare Arbeiten |
Welcher Malgrund wofür passt, zeigt der Ratgeber Leinwand, Malkarton oder Papier?
Materialien sammeln
Ein guter Fundus ist das Herz jeder Collagearbeit. Legen Sie eine Sammelkiste an, in die alles kommt, was Struktur, Farbe oder Geschichte hat:
- Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, alte Bücher und Landkarten
- Seidenpapier, Transparentpapier, Packpapier, Tonpapier-Reste
- Selbst gestaltete Papiere: mit Acryl bemalt, gestempelt, mit Kleisterpapier-Technik gestaltet
- Stoffreste, Fäden, Spitzen, Netze
- Fahrkarten, Briefmarken, Etiketten, Verpackungen
- Flache Naturmaterialien wie gepresste Blätter
Viele dieser Materialien kosten nichts – die Verbindung zum Ratgeber Upcycling im Werk- und Bastelunterricht liegt auf der Hand. Sortieren Sie den Fundus nach Farben oder Materialien. Das erleichtert die Auswahl und regt zu Farbkompositionen an.
Kleber und Medien
- Klebestift: für Papier auf Papier, schnell und sauber, aber für schwere Materialien zu schwach.
- Bastelleim / Weissleim: hält auf Karton und porösen Materialien, trocknet transparent. Dünn auftragen.
- Acrylbinder bzw. Gel-Medium: Der Klassiker im Mixed-Media-Bereich. Er dient als Kleber und gleichzeitig als transparente Schutzschicht darüber. Matte oder glänzende Varianten verändern die Oberflächenwirkung.
- Kleister: gut für dünne Papiere und grosse Flächen, lässt sich lange korrigieren.
Dazu kommen Farben und Zeichenmittel: Acrylfarben für deckende Flächen, Aquarell- und Gouachefarben für Lasuren, Ölpastellkreiden, Wachsmalkreiden wie Neocolor von Caran d'Ache, Tusche und Filzstifte für Linien. Ein Überblick über Acrylfarben findet sich im Bereich Acrylfarben.
Techniken für den Einstieg
Reissen und Schneiden
Gerissene Kanten wirken weich und organisch, geschnittene Kanten klar und grafisch. Schon die Entscheidung zwischen beiden prägt die Bildsprache. Eine schöne Übung: dasselbe Motiv einmal nur gerissen, einmal nur geschnitten.
Schichten
Mixed Media lebt von Schichten. Beginnen Sie mit einem Hintergrund aus Farbe oder Papier, kleben Sie darüber Elemente, übermalen Sie teilweise wieder, lassen Sie Teile durchscheinen. Transparente Papiere wie Seidenpapier eignen sich besonders gut.
Décollage
Statt aufzukleben, wird hier abgerissen: Mehrere Papierschichten werden verklebt und anschliessend teilweise wieder abgerissen oder abgeschliffen. Es entstehen Spuren und Brüche wie bei alten Plakatwänden.
Bildtransfer
Mit Acrylmedium lassen sich Tonerkopien auf einen anderen Untergrund übertragen. Dazu wird das Medium auf den Untergrund aufgetragen, die Kopie mit der Bildseite nach unten aufgelegt und nach dem Trocknen das Papier mit feuchten Fingern vorsichtig abgerieben. Das Bild erscheint spiegelverkehrt. Die Technik braucht etwas Übung und funktioniert je nach Kopie und Medium unterschiedlich gut; ein Testlauf lohnt sich.
Stempeln und Drucken
Eigene Stempel, Monotypien oder kleine Linolschnitte ergänzen Collagen um grafische Elemente. Einen Einstieg bietet der Ratgeber Linoldruck: Einstieg in die Druckgrafik.
Collage im Unterricht
Collagen eignen sich für jede Stufe. Mit jüngeren Kindern stehen Farben, Formen und Reisstechniken im Vordergrund, in der Sekundarschule können Themen wie Werbung, Identität, Stadtlandschaft oder Traumwelten bearbeitet werden. Bewährt hat sich folgender Ablauf:
- Material sammeln und sortieren, eventuell eigene Papiere gestalten.
- Schnelle Kompositionsübungen: Elemente legen, verschieben, fotografieren – noch nicht kleben.
- Entscheidung für eine Komposition, dann vom Hintergrund nach vorne kleben.
- Überarbeiten mit Farbe, Linien und Schrift.
- Gemeinsame Besprechung: Welche Wirkung entsteht durch welche Entscheidung?
Wenn Arbeiten mit fremdem Bildmaterial ausgestellt oder im Internet veröffentlicht werden, lohnt sich ein Gespräch über Urheberrechte. Im Zweifel arbeiten Sie mit eigenen Fotos oder frei verwendbarem Material.
Arbeiten schützen und präsentieren
Lassen Sie Collagen gut trocknen und pressen Sie Papierarbeiten zwischen sauberem Papier unter Gewicht, damit sie flach bleiben. Eine abschliessende Schicht Acrylmedium schützt die Oberfläche. Für die Präsentation wirken Collagen auf einem ruhigen, einfarbigen Hintergrund oder in einem schlichten Rahmen am besten.
Beachten Sie, dass Zeitschriftenpapier und billige Papiere mit der Zeit vergilben und im Licht ausbleichen können. Für Arbeiten, die lange halten sollen, lohnt es sich deshalb, eigene Papiere mit lichtbeständigen Farben zu gestalten oder Zeitungsmaterial gezielt als zeitliche Spur einzusetzen. Bei dreidimensionalen Collagen mit schweren Fundstücken prüfen Sie vor dem Aufhängen, ob Untergrund und Aufhängung das Gewicht tragen. Dokumentieren Sie den Arbeitsprozess mit Fotos: Gerade bei vielschichtigen Arbeiten verschwinden frühe Zustände unter späteren Schichten.



