Konsistenz: Welche Acrylfarbe für welche Technik?
Acrylfarben unterscheiden sich am stärksten in ihrer Viskosität. Die Bezeichnungen variieren je nach Hersteller, lassen sich aber grob so einordnen:
| Konsistenz | Eigenschaften | Geeignet für |
|---|---|---|
| Pastos (Heavy Body) | butterartig, Pinselspuren bleiben stehen | Spachteltechnik, Impasto, expressive Malerei |
| Cremig (Soft Body) | geschmeidig, verläuft leicht | allgemeine Malerei, gut für Einsteiger und Unterricht |
| Flüssig (Fluid, Ink) | dünnflüssig, hoch pigmentiert | Lasuren, Airbrush, Pouring, Feder und Zeichnung |
Für den Unterricht und für Kurse hat sich eine cremige Acrylfarbe in Flaschen mit Dosierverschluss bewährt: Sie lässt sich einfach portionieren, ohne dass Tuben ausgedrückt und Deckel verloren werden. Pastose Farben in Tuben lohnen sich, wenn Sie gezielt mit Struktur arbeiten.
Die schnelle Trocknung beherrschen
Die kurze Trocknungszeit ist Stärke und Schwäche zugleich. Sie können nach wenigen Minuten übermalen, aber weiche Farbübergänge gelingen nur, wenn Sie zügig arbeiten. Diese Hilfsmittel verschaffen Ihnen mehr Zeit:
- Nasspalette: Ein feuchter Schwamm oder ein feuchtes Tuch unter einem Bogen Backpapier hält die Farbe auf der Palette über Stunden, mit Deckel sogar über Tage verarbeitbar.
- Verzögerer (Retarder): Wenige Tropfen in der Farbe verlängern die offene Zeit deutlich. Halten Sie sich an die Dosierung des Herstellers, zu viel Verzögerer kann die Farbschicht klebrig lassen.
- Sprühflasche: Ein feiner Wassernebel auf Palette und Bild hält die Oberfläche länger feucht.
Umgekehrt nutzen viele Malerinnen und Maler die schnelle Trocknung bewusst für Schichtenaufbau und Lasuren: Eine dünne, transparente Schicht über einer getrockneten Untermalung verändert den Farbton, ohne die Struktur darunter zu verdecken.
Malmittel: Mehr als nur Farbe
Mit Acrylmedien verändern Sie die Eigenschaften der Farbe, ohne die Haftung zu verschlechtern. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Wasser: Acrylfarbe sollte nicht übermässig mit Wasser verdünnt werden, da sonst das Bindemittel nicht mehr ausreicht und die Farbe pudrig auftrocknen kann. Als Faustregel gelten höchstens etwa ein Drittel Wasser für deckende Schichten.
- Glanz- und Mattmedien verdünnen die Farbe und steuern den Oberflächenglanz.
- Gelmedien erhöhen den Farbkörper und die Transparenz – ideal, um teure Farbe für pastose Partien zu strecken.
- Strukturpasten mit Sand, Fasern oder Bimsstein erzeugen Reliefs und haptische Oberflächen.
- Firnis schützt das fertige Bild vor Staub und Licht und vereinheitlicht den Glanz.
Wie Sie einen Firnis korrekt auftragen, beschreibt der Ratgeber Firnis und Fixativ.
Der passende Malgrund für Acryl
Acryl haftet auf fast allem, was sauber, fettfrei und leicht saugfähig ist. Trotzdem beeinflusst der Untergrund das Ergebnis stark:
- Grundierte Leinwand auf Keilrahmen ist der Klassiker für grössere Formate. Sie federt unter dem Pinsel und nimmt pastose Schichten gut auf.
- Malkarton ist fest, leicht zu lagern und ideal für Studien, Serien und den Unterricht.
- Acrylpapier und schwere Malblöcke ab etwa 300 g/m² eignen sich für Skizzen und Übungen. Leichteres Papier wellt sich unter nasser Farbe.
- Holz, Karton und Fundstücke lassen sich nach einem Anstrich mit Gesso ebenfalls bemalen – spannend für Upcycling-Projekte im Werkunterricht.
Gesso ist eine weisse Acrylgrundierung, die den Untergrund verschliesst und für gleichmässige Haftung sorgt. Zwei dünne Schichten, dazwischen leicht geschliffen, ergeben eine glatte Malfläche; eine einzelne dicke Schicht mit dem Borstenpinsel erzeugt dagegen eine lebendige Struktur. Wer auf dunklem Untergrund malen möchte, kann Gesso auch einfärben oder schwarzes Gesso verwenden. Einen ausführlichen Vergleich bietet der Ratgeber Leinwand, Malkarton oder Papier?.
Acryl im Unterricht und im Kurs
Acryl ist für den BG-Unterricht und für Kurse beliebt, weil schnell sichtbare Ergebnisse entstehen und die Arbeiten am Ende der Lektion trocken sind. Ein paar Punkte sollten Sie dabei beachten:
- Kleidung schützen. Getrocknete Acrylfarbe lässt sich aus Textilien kaum mehr entfernen. Malschürzen oder alte Hemden sind Pflicht.
- Pinsel nie eintrocknen lassen. Stellen Sie pro Tisch einen Wasserbehälter bereit, in den Pinsel während der Arbeit gelegt werden, und waschen Sie sie direkt nach der Lektion mit Seife aus.
- Farbe sparsam ausgeben. Kleine Mengen in Eierkartons oder Palettenschalen genügen. Nachfüllen geht schneller als eingetrocknete Reste zu entsorgen.
- Kein Farbwasser in den Abfluss. Lassen Sie Spülwasser in einem Kübel absetzen und entsorgen Sie den Bodensatz eingetrocknet mit dem Restmüll.
Wenn Sie zum ersten Mal mit Acryl arbeiten, finden Sie im Ratgeber Acrylmalerei für Einsteiger eine Schritt-für-Schritt-Einführung. Ob für ein Projekt eher Acryl, Gouache oder Aquarell passt, klärt der Vergleich Acryl, Gouache oder Aquarell?. Robuste Pinsel für Acryl finden Sie auf der Seite Pinsel für Malerei und Unterricht, alles Weitere für den Fachraum unter Material für Bildnerisches Gestalten.




