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Kunst & Atelier

Firnis und Fixativ: Bilder richtig schützen

Ein fertiges Bild verdient Schutz. Wir erklären, wann Sie Firnis oder Fixativ brauchen, wie Sie sie richtig auftragen und worauf Sie aus Sicherheitsgründen achten sollten.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Firnis und Fixativ: Bilder richtig schützen – Symbolbild

Ist ein Bild fertig, beginnt eine Phase, die oft vergessen geht: der Schutz. Staub, Fingerabdrücke, Licht und Feuchtigkeit setzen Gemälden und Zeichnungen mit der Zeit zu. Firnis und Fixativ helfen – aber nur, wenn sie zum Material passen und richtig verwendet werden. Falsch angewendet, können sie Farben verändern, kleben oder milchige Schleier bilden.

Vereinfacht gilt: Firnis schützt Gemälde, also Acryl- und Ölbilder. Fixativ bindet lose Zeichenmittel wie Kohle, Bleistift, Kreide und Pastell.

Firnis: Schutzschicht für Gemälde

Ein Firnis ist ein transparenter Überzug, der die Malschicht vor Staub, Schmutz und teilweise vor UV-Licht schützt. Ausserdem vereinheitlicht er den Glanz: Viele Bilder trocknen ungleichmässig auf, manche Stellen glänzen, andere sind stumpf. Ein Firnis gleicht das aus und lässt dunkle Farben oft tiefer und satter wirken.

Firnisse gibt es in drei Glanzgraden:

  • Glänzend: Farben wirken intensiv und tief, kann aber spiegeln.
  • Seidenmatt: ein guter Kompromiss für die meisten Bilder.
  • Matt: keine Spiegelungen, kann aber dunkle Töne leicht aufhellen, besonders bei dickem Auftrag.

Hochwertige Firnisse sind so formuliert, dass sie sich später von Fachleuten wieder abnehmen lassen. Das ist wichtig, falls das Bild einmal gereinigt oder restauriert werden muss.

Acrylbilder firnissen

Acrylfarbe ist nach dem Trocknen wasserfest, bleibt aber eine leicht klebrige, offenporige Schicht, an der sich Staub festsetzen kann. Ein Firnis ist darum sinnvoll, vor allem bei Bildern, die ausgestellt oder verkauft werden.

  1. Vollständig trocknen lassen: Dünne Schichten sind schnell oberflächlich trocken, dicke und pastose Aufträge brauchen deutlich länger, bis sie durchgetrocknet sind. Halten Sie sich an die Angaben des Herstellers und planen Sie im Zweifel eher mehr Zeit ein.
  2. Staub entfernen: mit einem weichen, breiten Pinsel oder einem trockenen, fusselfreien Tuch.
  3. Bild flach legen: So läuft der Firnis nicht in Tropfen ab.
  4. Dünn auftragen: mit einem breiten, weichen Flachpinsel in einer Richtung, zügig und ohne mehrfaches Nachstreichen.
  5. Zweite Schicht: nach dem Trocknen quer zur ersten Schicht. Zwei dünne Schichten sind besser als eine dicke.

Manche Hersteller empfehlen, vor dem eigentlichen Firnis eine Isolierschicht aus klarem Acrylmedium aufzutragen. Sie schützt die Malschicht, falls der Firnis später abgenommen wird. Wählen Sie für Firnis und Pinsel einen staubarmen Raum, denn jedes Staubkorn bleibt im Überzug sichtbar. Hinweise zum Malgrund finden Sie im Ratgeber Leinwand, Malkarton oder Papier?, Grundlagen zur Technik unter Acrylmalerei für Einsteiger.

Ölbilder firnissen

Ölfarbe trocknet nicht durch Verdunstung, sondern durch Oxidation des Öls. Dieser Prozess dauert je nach Schichtdicke und Pigment viele Monate. Ein Schlussfirnis darf erst aufgetragen werden, wenn das Bild durchgetrocknet ist – häufig wird eine Wartezeit von mehreren Monaten bis zu einem Jahr genannt. Wird zu früh gefirnisst, kann die Schicht reissen oder sich mit der darunterliegenden Farbe verbinden.

Wer ein Ölbild früher schützen oder ausstellen möchte, verwendet einen Retuschierfirnis (Zwischenfirnis). Er ist dünner, lässt die Farbe weiter trocknen und frischt eingesunkene, matte Stellen auf.

Aquarell und Gouache schützen

Aquarelle und Gouachen werden in der Regel nicht gefirnisst. Ein Firnis würde die feine, matte Oberfläche verändern und kann die wasserlöslichen Farben anlösen. Der klassische Schutz ist ein Rahmen mit Passepartout hinter Glas oder Acrylglas. Das Passepartout hält Abstand zwischen Glas und Bild, damit sich keine Feuchtigkeit staut. Für Bilder, die viel Licht abbekommen, gibt es Gläser mit UV-Schutz. Lagern Sie ungerahmte Arbeiten flach, trocken und lichtgeschützt in Mappen.

Fixativ für Zeichnungen

Kohle, weiche Bleistifte, Kreide, Rötel und Pastell liegen als lose Teilchen auf dem Papier. Ein Fixativ verbindet sie leicht miteinander und mit dem Papier, sodass die Zeichnung weniger verschmiert. Einen vollständigen Schutz bietet es nicht: Auch fixierte Pastelle bleiben berührungsempfindlich.

  • Zwischenfixierung: Einzelne Schichten werden leicht fixiert, damit darüber weitergearbeitet werden kann.
  • Schlussfixierung: nach Abschluss der Zeichnung, in mehreren hauchdünnen Schichten.
  • Wirkung auf Farben: Fixativ kann besonders Pastelltöne etwas abdunkeln und die samtige Oberfläche verändern. Viele Pastellkünstler fixieren darum nur Zwischenschichten und rahmen das Endergebnis hinter Glas.

Haarspray wird häufig als Ersatz genannt, ist aber nicht für Kunstwerke entwickelt, kann vergilben, kleben und Flecken bilden. Für Arbeiten, die erhalten bleiben sollen, ist ein Fixativ die bessere Wahl. Mehr zu den Zeichenmitteln im Ratgeber Zeichnen mit Kohle, Kreide und Pastell.

Sicher sprühen

Viele Fixative und Sprühfirnisse enthalten Lösungsmittel und Treibgas. Sie sind in der Regel leicht entzündlich, und der Sprühnebel sollte nicht eingeatmet werden. Lesen Sie vor der Verwendung die Hinweise auf der Dose und beachten Sie diese Grundregeln:

  • Nur im Freien oder in sehr gut gelüfteten Räumen sprühen, nie in der Nähe von offenen Flammen, Funken oder heissen Oberflächen.
  • Dose vor Gebrauch gut schütteln und zuerst auf einem Probeblatt testen.
  • Den vom Hersteller angegebenen Abstand einhalten und mit gleichmässigen Bewegungen über das Bild hinaus sprühen.
  • Lieber mehrere dünne Schichten als eine nasse; dazwischen trocknen lassen.
  • Bei Bedarf Schutzhandschuhe und, wenn auf der Dose empfohlen, Atemschutz verwenden.
  • Dosen fern von Wärmequellen und ausser Reichweite von Kindern lagern, leere Dosen gemäss Entsorgungshinweis zurückgeben.

Im Schulalltag sollten Sprühfixative und Sprühfirnisse von der Lehrperson im Freien angewendet werden, nicht von den Schülerinnen und Schülern selbst. Eine Alternative für den Unterricht sind Fixative und Firnisse, die mit Pinsel oder Pumpzerstäuber aufgetragen werden, sowie das Rahmen hinter Glas. Firnisse, Fixative und weiteres Zubehör finden Sie im Bereich Künstlerbedarf.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Wann kann ich ein Acrylbild firnissen?

Erst wenn die Farbe vollständig durchgetrocknet ist. Dünne Schichten trocknen schnell, dicke und pastose Aufträge brauchen deutlich länger. Halten Sie sich an die Angaben des Herstellers und warten Sie im Zweifel lieber länger.

Was ist der Unterschied zwischen Firnis und Fixativ?

Firnis ist ein Schutzüberzug für Gemälde aus Acryl oder Öl. Fixativ bindet lose Zeichenmittel wie Kohle, Bleistift, Kreide und Pastell auf dem Papier.

Kann man Aquarelle firnissen?

In der Regel nicht. Aquarelle werden mit Passepartout hinter Glas gerahmt. Ein Firnis würde die matte Oberfläche verändern und die wasserlöslichen Farben anlösen können.