Der Malgrund ist mehr als eine Unterlage. Er bestimmt, wie die Farbe haftet, wie der Pinsel gleitet, wie das Bild altert und wie es später präsentiert werden kann. Eine federnde Leinwand fühlt sich ganz anders an als ein harter Malkarton, und ein Aquarell auf Leinwand bleibt ein Experiment.
In diesem Ratgeber vergleichen wir die gängigen Malgründe für Acryl, Öl, Gouache und Mischtechnik und zeigen, wie Sie Untergründe selbst vorbereiten.
Leinwand auf Keilrahmen
Die bespannte Leinwand ist der Klassiker für Acryl und Öl. Das Gewebe wird über einen Holzrahmen gespannt und an der Rückseite oder seitlich festgeklammert. Fertig bespannte Rahmen sind in der Regel bereits grundiert und sofort einsatzbereit.
- Baumwolle: verbreitet, preiswert, gleichmässig. Für die meisten Zwecke völlig ausreichend.
- Leinen: fester, mit lebendigerer Struktur und weniger anfällig für Spannungsänderungen durch Luftfeuchtigkeit. Wird oft für anspruchsvolle Arbeiten gewählt.
- Feinheit des Gewebes: feines Gewebe für Porträts und Details, grobes Gewebe für pastose, expressive Malerei.
Ein Unterschied liegt im Rahmen selbst: Echte Keilrahmen haben Ecken mit Schlitzen für kleine Holzkeile. Wird die Leinwand mit der Zeit locker, treibt man die Keile leicht nach und spannt sie so nach. Einfache Spannrahmen haben feste Ecken und lassen sich nicht nachspannen. Tiefe Rahmen (sogenannte 3D- oder Galerie-Rahmen) können ohne Bilderrahmen aufgehängt werden, wenn die Seiten mitbemalt werden.
Malkarton und Malplatten
Malkarton ist ein mit Leinwand oder leinwandartigem Gewebe kaschierter, grundierter Karton. Er ist dünn, leicht, stapelbar und günstiger als ein Keilrahmen. Damit ist er ideal für Studien, Übungen, Pleinair-Malerei und den Unterricht. Grössere Formate können sich bei viel Feuchtigkeit verziehen.
Malplatten aus Holzwerkstoff (z. B. MDF oder Sperrholz, teils mit Leinwand kaschiert) bieten eine harte, plane Fläche. Sie federn nicht, eignen sich für feine Lasuren und Details und sind sehr formstabil. Bei grossen Formaten sorgt eine rückseitige Verstärkung dafür, dass sich nichts verzieht.
Papier als Malgrund
Papier ist der günstigste und unkomplizierteste Malgrund. Für Aquarell braucht es spezielles, geleimtes Aquarellpapier, Details dazu im Ratgeber Aquarellpapier richtig wählen. Für Gouache genügt meist ein kräftiges Zeichen- oder Mixed-Media-Papier. Für Acryl gibt es eigens ausgewiesene Acrylblöcke mit leicht strukturierter, weniger saugender Oberfläche; ab etwa 250 g/m² bleibt das Blatt stabil genug.
Ölfarbe auf Papier ist heikel: Das Öl zieht ins ungeschützte Papier und kann es mit der Zeit brüchig machen. Wer trotzdem auf Papier malen möchte, verwendet ausgewiesenes Ölmalpapier oder grundiert das Papier vorgängig mit Gesso.
Die Malgründe im Vergleich
| Malgrund | Vorteile | Nachteile | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Leinwand auf Keilrahmen | klassisch, ausstellungsfertig, federnd | platzintensiv, empfindlich gegen Stösse | fertige Bilder, grosse Formate |
| Malkarton | leicht, stapelbar, günstig | kann sich bei Nässe verziehen | Studien, Unterricht, Pleinair |
| Malplatte | hart, plan, formstabil | schwer bei grossen Formaten | Details, Lasuren, Mixed Media |
| Papier | günstig, vielseitig, leicht zu lagern | wellt sich, Öl nur mit Vorbereitung | Aquarell, Gouache, Übungen |
Grundieren mit Gesso
Die meisten fertigen Leinwände und Malkartons sind mit einer universellen Acrylgrundierung, oft «Gesso» genannt, vorbehandelt. Diese eignet sich für Acryl und in der Regel auch für Öl. Eine zusätzliche Schicht lohnt sich, wenn Sie eine glattere oder weniger saugende Oberfläche wünschen.
So grundieren Sie selbst, zum Beispiel Holz, Karton oder Papier:
- Untergrund staubfrei und fettfrei machen. Holz kann vorher leicht geschliffen werden.
- Gesso gut aufrühren, bei Bedarf mit wenig Wasser verdünnen.
- Eine dünne Schicht mit einem breiten Flachpinsel in eine Richtung auftragen.
- Trocknen lassen, die zweite Schicht quer zur ersten auftragen.
- Für eine sehr glatte Oberfläche nach dem Trocknen fein schleifen und eine weitere Schicht auftragen.
Gesso gibt es auch in Schwarz oder getönt. Ein farbiger Grund, etwa ein warmes Ocker oder Grau, nimmt dem weissen Blatt die Strenge und hilft, Helligkeiten von Anfang an richtig einzuschätzen.
Formate und Proportionen
Neben dem Material spielt das Format eine Rolle. Keilrahmen und Malkartons gibt es in vielen Standardgrössen, oft in Zentimetern angegeben, etwa 30 × 40, 40 × 50 oder 50 × 70 cm. Standardformate haben den Vorteil, dass passende Bilderrahmen leichter zu finden sind. Überlegen Sie vor dem Malen, ob Hoch-, Quer- oder ein quadratisches Format zum Motiv passt: Ein Querformat betont Weite und Ruhe, ein Hochformat Höhe und Spannung, das Quadrat wirkt ausgewogen und modern.
Für den Unterricht hat es sich bewährt, mit kleineren Formaten zu beginnen. Kleine Flächen sind schneller gefüllt, die Hemmschwelle sinkt, und es entstehen mehrere Versuche statt eines einzigen, mühsam fertiggestellten Bildes. Grosse Formate lohnen sich dafür bei Gemeinschaftsarbeiten, bei denen mehrere Personen gleichzeitig malen.
Empfehlungen für Schule und Atelier
- Unterricht: Malkarton und schweres Papier sind preiswert, platzsparend und leicht zu lagern. Für Gemeinschaftsarbeiten im grossen Format eignen sich bespannte Rahmen.
- Einsteigerinnen und Einsteiger: Malkartons in mittleren Formaten, um ohne Hemmungen zu üben.
- Ausstellung und Verkauf: Leinen- oder Baumwollleinwand auf Keilrahmen, eventuell in tiefer Ausführung.
- Mixed Media und Collage: Malplatten oder grundierter Karton, weil sie Kleber, Spachtelmasse und Schichten gut tragen.
Passende Malgründe, Grundierungen und Zubehör finden Sie im Bereich Künstlerbedarf. Für den Einstieg in die Technik empfiehlt sich der Ratgeber Acrylmalerei für Einsteiger, und wie Sie das fertige Bild schützen, lesen Sie unter Firnis und Fixativ.



