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Kunst & Atelier

Zeichnen mit Kohle, Kreide und Pastell

Kohle, Kreide und Pastell bringen Tempo, Kraft und Farbe in die Zeichnung. Wir stellen die Materialien vor und zeigen, wie Sie damit sauber und sicher arbeiten.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Zeichnen mit Kohle, Kreide und Pastell – Symbolbild

Kohle und Pastell gehören zu den ältesten Zeichenmitteln überhaupt – und zu den direktesten. Mit einem Stück Kohle lassen sich in Sekunden grosse Flächen anlegen, Licht wieder herausradieren und kraftvolle Linien setzen. Pastell bringt dazu leuchtende, samtige Farbe aufs Papier, ganz ohne Trocknungszeit.

Diese Freiheit hat ihren Preis: Die Materialien stauben, verschmieren und verlangen eine durchdachte Arbeitsweise. Mit dem richtigen Material und ein paar Regeln wird das Zeichnen mit Kohle und Pastell aber zu einem der lustvollsten Bereiche im Unterricht und im Atelier.

Zeichenkohle: Weidenkohle und Presskohle

Naturkohle, oft aus Weide oder Rebholz, entsteht durch das Verkohlen dünner Zweige unter Luftabschluss. Sie ist leicht, bricht gut und gibt eine weiche, eher graue bis tiefschwarze Linie. Sie lässt sich mühelos verwischen und mit dem Knetradiergummi wieder abnehmen. Darum ist sie ideal für schnelle Skizzen, Aktzeichnungen und Kompositionsstudien.

Presskohle besteht aus Kohlepulver und einem Bindemittel, das in Stangen gepresst wird. Sie ist dichter, dunkler und haftet stärker. Damit erreichen Sie ein tiefes Schwarz, korrigieren aber weniger leicht. Kohlestifte enthalten Presskohle im Holzschaft und erlauben präzisere Linien und saubere Hände.

Eine bewährte Kombination: Aufbau und Komposition mit Weidenkohle, Verdichtung und dunkelste Partien mit Presskohle oder Kohlestift.

Kreide und Softpastell

Softpastell, auch Pastellkreide genannt, besteht aus Pigment mit sehr wenig Bindemittel. Daher die intensive Farbe und die samtige Oberfläche – aber auch die Empfindlichkeit gegen Berührung. Die Kreiden gibt es in unterschiedlichen Härten: Weiche Kreiden geben viel Farbe ab und eignen sich für die letzten, leuchtenden Schichten, härtere Kreiden und Pastellstifte für Vorzeichnung und Details. Mehr zu den Stiften lesen Sie im Ratgeber Farbstifte, Aquarellstifte, Pastellstifte.

Klassische Zeichenkreiden in Weiss, Sepia, Rötel und Schwarz eignen sich hervorragend für Studien auf getöntem Papier. Mit nur drei Tönen – etwa Rötel, Schwarz und Weiss auf mittelgrauem oder beigem Papier – entstehen erstaunlich plastische Zeichnungen.

Öl- und Wachspastell

Ölpastelle enthalten Pigmente in einer Bindung aus Öl und Wachs. Sie stauben nicht, haften gut und lassen sich dick auftragen, schichten und auskratzen. Ein Klassiker im Unterricht ist die Kratztechnik: mehrere bunte Schichten, darüber eine dunkle Schicht, aus der mit einem Holzstäbchen Linien herausgekratzt werden. Ölpastelle wie die Caran d'Ache Neopastel trocknen nicht vollständig aus und bleiben empfindlich; fertige Arbeiten lagert man darum mit Schutzpapier.

Verwandt, aber nicht identisch sind Wachspastelle, wie die bekannten Caran d'Ache Neocolor. Neocolor I ist wasserfest, Neocolor II wasservermalbar – eine beliebte Kombination im BG.

Das richtige Papier

Kohle und Pastell brauchen Papier mit Zahn, also einer griffigen Oberfläche, die Pigmentteilchen festhält. Auf glattem Papier rutschen die Materialien und lassen sich kaum schichten.

  • Zeichenpapier mit Struktur für Kohleskizzen, ideal auch in grossen Formaten oder ab Rolle.
  • Ingres- oder Pastellpapier mit typischer Rippenstruktur, oft in vielen Farben erhältlich. Ein farbiger Grund lässt Pastellfarben besonders leuchten.
  • Pastellkarton mit körniger Beschichtung für viele Schichten und intensive Arbeiten.
  • Packpapier oder Tonpapier für Übungen und schnelle Studien in der Schule.

Eine Auswahl an Zeichenpapieren, Kohle und Kreiden finden Sie unter Zeichenmaterial.

Techniken für den Einstieg

  1. Flächen statt Linien: Legen Sie mit der Breitseite eines Kohlestücks grosse Tonwerte an, bevor Sie Konturen zeichnen.
  2. Subtraktiv zeichnen: Das ganze Blatt mit Kohle grau einfärben, verwischen, dann mit dem Knetradiergummi die Lichter herausnehmen. Eine eindrückliche Übung für Licht und Schatten.
  3. Verwischen dosiert einsetzen: Finger, Papierwischer (Estompe) oder ein weiches Tuch. Nicht alles verwischen, sonst wirkt die Zeichnung flau.
  4. Pastell von dunkel nach hell: Zuerst die dunklen und mittleren Töne mit härteren Kreiden, zuletzt die hellsten Lichter mit weichen Kreiden.
  5. Von unten nach oben: Am senkrechten Brett oder an der Staffelei fällt der Staub nach unten, statt in die Zeichnung zu geraten.

Eine kleine Übungsfolge

Für einen Kurs oder eine Doppellektion hat sich folgende Abfolge bewährt: fünf Minuten schnelle Gestenzeichnungen mit Weidenkohle im Format A2, dann eine Tonwertstudie eines einfachen Stilllebens mit drei Helligkeitsstufen, zum Schluss eine längere Arbeit mit Kreide auf getöntem Papier. Die schnellen Übungen lockern die Hand und nehmen die Angst vor dem grossen Blatt, die Tonwertstudie schult den Blick für Hell und Dunkel.

Staub, Sauberkeit und Fixieren

Kohle- und Pastellstaub sollte nicht eingeatmet werden. Blasen Sie Staub deshalb nie von der Zeichnung weg, sondern klopfen Sie das Blatt an der Kante über einem Papierkorb vorsichtig ab. Reinigen Sie Tische feucht statt mit dem Besen, waschen Sie nach der Arbeit die Hände und essen Sie nicht am Zeichenplatz. Pigmente in Künstlerpastellen können je nach Farbton gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthalten; beachten Sie die Angaben des Herstellers, besonders bei Arbeiten mit Kindern.

Fertige Kohle- und Pastellzeichnungen sind berührungsempfindlich. Ein Fixativ bindet die lose Schicht, kann aber Farben leicht abdunkeln. Viele Pastellkünstler fixieren deshalb nur Zwischenschichten und rahmen das fertige Bild mit Passepartout hinter Glas. Wie Sie Fixativ sicher und richtig verwenden, erklärt der Ratgeber Firnis und Fixativ. Zur Lagerung legen Sie Pergamin oder glattes Seidenpapier zwischen die Blätter.

Im Schulzimmer bewährt sich zudem eine einfache Ordnung: alte Kleider oder Schürzen, ein abgedeckter Tisch und feuchte Tücher in Reichweite. Wie Sie Kohle und Bleistift kombinieren, zeigt der Ratgeber Bleistift-Härtegrade.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Weidenkohle und Presskohle?

Weidenkohle ist verkohltes Holz, leicht, sehr gut verwischbar und einfach zu korrigieren. Presskohle wird aus Kohlepulver und Bindemittel gepresst, ist dunkler und haftet stärker, lässt sich aber weniger leicht entfernen.

Kann ich Pastellbilder mit Haarspray fixieren?

Davon ist abzuraten. Haarspray ist nicht für Kunstwerke entwickelt, kann vergilben und Flecken bilden. Ein Fixativ für Kohle und Pastell ist die sicherere Wahl.

Welches Papier eignet sich für Pastell?

Papier mit Zahn, also einer rauen, griffigen Oberfläche, zum Beispiel Ingrespapier, Pastellpapier oder beschichteter Pastellkarton. Farbiges Papier lässt Pastelltöne besonders gut wirken.