BG im Lehrplan 21 und die Rolle des Materials
Der Lehrplan 21 gliedert Bildnerisches Gestalten in drei Kompetenzbereiche: Wahrnehmung und Kommunikation, Prozesse und Produkte sowie Kontexte und Orientierung. Schülerinnen und Schüler sollen bildnerische Mittel wie Farbe, Form, Linie und Komposition kennenlernen, gestalterische Verfahren erproben und Bilder aus Kunst und Alltag betrachten und einordnen.
Für die Materialwahl bedeutet das: Es geht weniger um möglichst viele Spezialprodukte als um eine solide Grundausstattung, mit der unterschiedliche Verfahren ausprobiert werden können – Malen, Zeichnen, Drucken, Collagieren, plastisches Gestalten. Eine Liste zum Abhaken bietet der Ratgeber Materialliste für Bildnerisches Gestalten.
Ein Grundsatz aus der Praxis: Material ist im BG nicht nur Mittel zum Zweck, sondern selbst Lerngegenstand. Wenn Schülerinnen und Schüler vergleichen, wie sich dieselbe Linie mit Bleistift, Kohle, Tusche und Filzstift verhält, lernen sie bildnerische Mittel bewusst einzusetzen. Solche Materialexperimente brauchen wenig Aufwand – ein Blatt pro Person, vier bis fünf verschiedene Werkzeuge und eine kurze Besprechung der Ergebnisse genügen. Sie bilden eine gute Grundlage für spätere, frei gestaltete Arbeiten.
Grundausstattung für das BG-Zimmer
Bewährt hat sich eine Trennung in persönliches Material und Klassenmaterial:
| Bereich | Persönlich (pro Person) | Klassenmaterial |
|---|---|---|
| Malen | Deckfarbkasten, 2–3 Pinsel | Gouache oder Acryl in Flaschen, breite Pinsel, Paletten, Wasserbecher |
| Zeichnen | Bleistifte HB und 2B, Radiergummi, Spitzer | weiche Bleistifte, Kohle, Kreiden, Fixativ |
| Farbe trocken | Farbstifte, Filzstifte | Aquarellstifte, Ölkreiden |
| Papier | Skizzenheft | Zeichenpapier, Tonpapier, Malkarton in verschiedenen Formaten |
| Werkzeug | Schere, Leimstift | Cutter, Schneidematten, Lineale, Weissleim |
Persönliches Material bleibt bei den Schülerinnen und Schülern – oft wird es zum Schulstart über eine Materialliste beschafft. Klassenmaterial lagert zentral und wird pro Unterrichtseinheit ausgegeben. Weitere Einzelheiten finden Sie auf unseren Seiten zu Zeichenmaterial und Pinseln.
Farben im BG: was wofür?
Im Schulzimmer haben sich vier Farbarten etabliert, die sich gut ergänzen:
- Deckfarben im Kasten: der Standard für die Primarschule, sparsam im Verbrauch und schnell aufgeräumt.
- Gouache in Flaschen oder Tuben: deckend und matt, ideal für Plakate, Farbflächen und Farbmischübungen.
- Acryl: wasserfest nach dem Trocknen, haftet auch auf Karton und Holz. Pinsel müssen sofort ausgewaschen werden.
- Aquarell: lasierend und transparent, verlangt ein Papier, das Wasser verträgt.
Für Farbmischübungen genügen die drei Grundfarben in einem warmen und einem kalten Ton sowie Weiss und Schwarz. So lernen die Schülerinnen und Schüler, Farben selbst zu mischen, statt aus vielen fertigen Tönen zu wählen. Wie das gelingt, erklärt der Ratgeber Farbenlehre: Grundfarben richtig mischen. Mehr zu den Farbarten finden Sie unter Acrylfarben und Aquarellfarben und Gouache.
Material nach Zyklus: worauf es in welcher Stufe ankommt
Der Lehrplan 21 ist in drei Zyklen gegliedert. Die Anforderungen ans Material verändern sich dabei deutlich:
- Zyklus 1 (Kindergarten bis 2. Klasse): Im Vordergrund steht das Erkunden von Material. Dicke Stifte, Wachskreiden, Fingerfarben und Deckfarben mit grossen Pinseln, dazu grosse Papierformate. Material sollte robust und auswaschbar sein.
- Zyklus 2 (3. bis 6. Klasse): Techniken werden gezielter geübt – Farben mischen, Linie und Schraffur, erste Druckverfahren und Collagen. Persönliche Grundausstattung mit Deckfarbkasten, Pinseln und Farbstiften.
- Zyklus 3 (Sekundarschule): Eigene Bildideen und Gestaltungsprozesse werden wichtiger. Hier lohnen sich differenziertere Materialien wie abgestufte Bleistifte, Acryl, Aquarell, Linol und Skizzenbücher zur Dokumentation.
Für alle Stufen gilt: Lieber wenige Materialien gründlich kennenlernen als viele nur kurz anprobieren. Ein Skizzenheft, das die Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre begleitet, macht Entwicklungen sichtbar und eignet sich gut für Gespräche über den eigenen Gestaltungsprozess. Und: Planen Sie für Klassensätze immer einige zusätzliche Exemplare ein, damit neue Schülerinnen und Schüler im Laufe des Jahres ebenfalls vollständig ausgestattet sind.
Praxistipps für Planung und Unterricht
- Vom Verfahren her planen: Legen Sie zuerst fest, welche Verfahren im Jahr vorkommen – etwa Linoldruck, Collage, Farbmischung, Perspektive. Daraus ergibt sich das Material.
- Formate bewusst wählen: Grossformate fördern eine freie Gestik, kleine Formate eine konzentrierte Ausarbeitung. Planen Sie beides ein.
- Arbeitsplätze vorbereiten: Abdeckung, Wasserbecher, Lappen und Paletten pro Tischgruppe sparen in jeder Lektion Zeit.
- Trocknung mitdenken: Nasse Arbeiten brauchen Platz. Ein Trockengestell oder eine Leine mit Klammern gehört in jedes BG-Zimmer.
Ideen für Druckgrafik im Unterricht finden Sie im Ratgeber Linoldruck: Einstieg in die Druckgrafik.
Hinter dem Materialkollektiv stehen Menschen aus Gestaltung und Unterricht. Jede Bestellung wird persönlich geprüft und vor dem Versand bestätigt – so fällt auf, wenn bei einem Klassensatz etwas fehlt oder nicht zusammenpasst.



