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Kunst & Atelier

Farbenlehre: Grundfarben richtig mischen

Warum wird das Violett braun und das Grün stumpf? Wir erklären die Grundlagen der Farbenlehre und zeigen, wie Sie aus wenigen Grundfarben saubere Mischtöne erhalten.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Farbenlehre: Grundfarben richtig mischen – Symbolbild

«Aus Rot, Gelb und Blau lassen sich alle Farben mischen» – diesen Satz haben die meisten in der Schule gehört. Wer es mit dem Malkasten ausprobiert, wundert sich: Das Violett wird schmutzig braun, das Grün stumpf. Der Satz ist nicht falsch, aber unvollständig. Welche Grundfarben man wählt, entscheidet darüber, wie leuchtend die Mischungen werden.

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Grundlagen der Farbenlehre für die Malpraxis und zeigt, wie Sie mit einer kleinen Palette saubere, lebendige Töne mischen.

Additiv und subtraktiv

Es gibt zwei Arten der Farbmischung:

  • Additive Mischung: Licht wird gemischt, etwa am Bildschirm. Die Grundfarben sind Rot, Grün und Blau. Je mehr Licht zusammenkommt, desto heller wird es, bis Weiss entsteht.
  • Subtraktive Mischung: Farbstoffe und Pigmente werden gemischt, etwa beim Malen oder Drucken. Jedes Pigment schluckt einen Teil des Lichts. Je mehr man mischt, desto dunkler und trüber wird die Farbe.

Beim Malen gilt immer die subtraktive Mischung. Darum werden Mischungen aus vielen Farben grau oder braun – und darum ist es wichtig, mit möglichst wenigen Farben pro Mischung auszukommen.

Der Farbkreis

Der zwölfteilige Farbkreis, wie ihn Johannes Itten bekannt gemacht hat, ist im Kunstunterricht weit verbreitet:

  • Primärfarben (1. Ordnung): Gelb, Rot, Blau.
  • Sekundärfarben (2. Ordnung): Orange, Violett, Grün, gemischt aus je zwei Primärfarben.
  • Tertiärfarben (3. Ordnung): Mischungen aus einer Primär- und einer benachbarten Sekundärfarbe, etwa Gelborange oder Blaugrün.

Im Druck arbeitet man dagegen mit Cyan, Magenta und Gelb. Diese Grundfarben liefern in der Mischung reinere Violett- und Grüntöne als ein typisches Rot und Blau. Für die Malerei ist das ein wichtiger Hinweis: Ein bläuliches Rot und ein grünliches Blau mischen sich anders als ein orangestichiges Rot und ein violettstichiges Blau.

Warme und kühle Grundfarben

Kein Pigment ist eine perfekte Grundfarbe. Jedes Rot neigt entweder zum Gelb (warm) oder zum Blau (kühl), jedes Blau zum Rot oder zum Gelb, jedes Gelb zum Rot oder zum Grün. Diese Neigung wandert in die Mischung mit. Darum arbeiten viele Malerinnen und Maler mit einer doppelten Grundpalette:

GrundfarbeWarme VarianteKühle Variante
Gelbmittleres, leicht rötliches GelbZitronengelb, leicht grünlich
RotZinnoberrot, orangestichigMagenta oder Karmin, bläulich
BlauUltramarin, rötlichPhthalo- oder Cyanblau, grünlich

Damit gelingen saubere Sekundärfarben:

  • Leuchtendes Orange: warmes Gelb + warmes Rot.
  • Klares Violett: kühles Rot (Magenta) + warmes Blau (Ultramarin).
  • Frisches Grün: kühles Gelb (Zitronengelb) + kühles Blau (Phthaloblau).

Mischen Sie dagegen ein Zinnoberrot mit Phthaloblau, enthält die Mischung versteckt alle drei Grundfarben – das Ergebnis wird gebrochen, also eher grau oder braun. Das ist kein Fehler, sondern eine Möglichkeit, gezielt gedämpfte Töne zu erzeugen.

Komplementärfarben und Brechen

Komplementärfarben liegen sich im Farbkreis gegenüber: Gelb und Violett, Rot und Grün, Blau und Orange. Nebeneinander gesetzt steigern sie sich gegenseitig in ihrer Leuchtkraft. Miteinander gemischt neutralisieren sie sich.

Das nutzt man, um Farben zu «brechen»: Ein zu grelles Grün wird mit einer Spur Rot natürlicher, ein Orange mit einem Hauch Blau zu einem warmen Braun. So entstehen harmonische Naturtöne, die mit Schwarz nie gelingen würden. Ein schönes, tiefes Dunkel ergibt etwa die Mischung aus Ultramarin und Siena gebrannt.

Aufhellen und Abdunkeln

  • Aufhellen mit Weiss: Farben werden heller, aber auch kühler und pastelliger. Bei deckenden Farben wie Acryl und Gouache die übliche Methode.
  • Aufhellen mit Wasser: beim Aquarell, wo das Papierweiss durchscheint.
  • Abdunkeln mit Schwarz: möglich, macht Farben aber schnell stumpf. Gelb mit Schwarz wird zum Beispiel olivgrün.
  • Abdunkeln mit der Komplementärfarbe oder einem dunkleren Nachbarn: lebendiger. Ein Rot wird mit etwas Grün oder Violett tiefer, ohne zu verschmutzen.

Eine praktische Regel: Mischen Sie immer die dunkle Farbe in kleinen Mengen zur hellen, nicht umgekehrt. Wer Gelb zu Blau gibt, braucht sehr viel Gelb, bis sich etwas ändert.

Pigmente kennen statt Namen vertrauen

Farbnamen wie «Krapplack», «Preussischblau» oder «Saftgrün» sagen wenig darüber aus, was tatsächlich in der Tube steckt. Zuverlässiger ist die Pigmentangabe, die bei Künstlerfarben meist auf dem Etikett steht: PY steht für gelbe Pigmente, PR für rote, PB für blaue, PG für grüne, PV für violette, PBr für braune, PW für weisse und PBk für schwarze, jeweils gefolgt von einer Nummer. Ultramarin trägt etwa die Bezeichnung PB29, Phthaloblau PB15.

Diese Angaben helfen in zwei Situationen. Erstens erkennen Sie, ob eine Farbe aus einem einzigen Pigment besteht oder bereits eine Mischung ist – Einzelpigmentfarben ergeben in der Regel sauberere Mischungen. Zweitens finden Sie bei einem Wechsel des Herstellers schnell eine vergleichbare Farbe. Bei Schulfarben fehlen solche Angaben oft; hier hilft eine selbst gemalte Mischtabelle weiter.

Übungen für Unterricht und Atelier

  1. Farbkreis mischen: zwölf Felder, nur aus drei Grundfarben. Danach dasselbe mit der doppelten Grundpalette – der Unterschied ist sofort sichtbar.
  2. Mischtabelle: Jede Farbe der Palette in einer Zeile und Spalte, in den Kreuzungsfeldern die Mischung. So entsteht eine persönliche Farbkarte.
  3. Komplementärreihe: von reinem Rot über gebrochene Zwischentöne bis zu reinem Grün in sieben Schritten.
  4. Grau ohne Schwarz: nur aus Komplementärfarben und Weiss verschiedene farbige Grautöne mischen.

Für diese Übungen eignen sich deckende Farben wie Gouache oder Acryl besonders gut, da die Ergebnisse direkt vergleichbar sind. Welche Farbe wofür passt, erklärt der Ratgeber Acryl, Gouache oder Aquarell. Passende Farben finden Sie bei den Acrylfarben und unter Aquarellfarben und Gouache, Material für ganze Klassen im Bereich Bildnerisches Gestalten.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Warum wird mein gemischtes Violett braun?

Meist enthält das verwendete Rot einen Gelbanteil oder das Blau einen Grünanteil. So mischen sich alle drei Grundfarben, und die Farbe wird gebrochen. Ein bläuliches Rot wie Magenta und Ultramarin ergeben ein klares Violett.

Welche Grundfarben braucht man zum Mischen?

Für einfache Übungen genügen Gelb, Rot und Blau. Für saubere Mischungen empfiehlt sich je eine warme und eine kühle Variante, also insgesamt sechs Farben plus Weiss.

Wie mische ich Braun?

Braun entsteht aus Komplementärfarben, etwa Orange und Blau oder Rot und Grün. Je nach Anteil wird es wärmer oder kühler. Mit Weiss aufgehellt entstehen Beige- und Sandtöne.