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Linoldruck: Einstieg in die Druckgrafik

Linoldruck ist der klassische Einstieg in die Hochdrucktechnik. So wählen Sie Material, schneiden sicher und erhalten saubere Drucke.

Redaktion Materialkollektiv5 Min. Lesezeit

Linoldruck: Einstieg in die Druckgrafik – Symbolbild

Der Linoldruck ist eine der schönsten Techniken, um in die Druckgrafik einzusteigen. Mit wenigen Werkzeugen entstehen ausdrucksstarke Bilder mit klaren Kontrasten, die sich beliebig oft drucken lassen. Im BG-Unterricht der Sekundarschule, in Kursen für Erwachsene und im eigenen Atelier ist er seit Jahrzehnten beliebt – zu Recht. Die Technik schult das Denken in Flächen, Kontrasten und Spiegelbildern.

Dieser Ratgeber erklärt das Prinzip, das nötige Material, den sicheren Umgang mit den Messern und den Ablauf vom Entwurf bis zum fertigen Druck.

Das Prinzip des Hochdrucks

Linoldruck gehört zu den Hochdruckverfahren, wie auch der Holzschnitt und der Stempeldruck. Alles, was Sie aus der Platte herausschneiden, bleibt beim Druck weiss bzw. in der Papierfarbe. Alles, was stehen bleibt, nimmt Farbe auf und wird gedruckt. Daraus ergeben sich zwei wichtige Konsequenzen:

  • Sie arbeiten «negativ»: Linien, die hell erscheinen sollen, schneiden Sie heraus. Dunkle Linien entstehen, indem Sie die Fläche um sie herum entfernen.
  • Das Bild wird gespiegelt gedruckt. Schrift und alles, was eine Richtung hat, muss deshalb seitenverkehrt auf die Platte.

Das Material

Material Wofür Hinweise
Linoleumplatte Druckstock klassisch, feste Struktur; lässt sich angewärmt leichter schneiden
Weiche Schnittplatte (Softschnitt) Druckstock für Einsteiger schneidet sich sehr leicht, ideal für jüngere Schülerinnen und Schüler, etwas empfindlicher
Linolschnittwerkzeug Herausschneiden Griff mit Wechselklingen in V- und U-Form
Schneidhilfe / Bankhaken Platte fixieren wichtig für die Sicherheit
Linoldruckfarbe Einfärben wasserlöslich oder auf Ölbasis
Gummiwalze Farbe auftragen Breite passend zur Plattengrösse
Farbplatte Farbe ausrollen Glas, Acrylglas oder glatte Kunststoffplatte
Falzbein, Holzlöffel oder Druckpresse Abreiben bzw. Drucken für den Einstieg reicht das Abreiben von Hand
Papier Druckträger eher dünn und saugfähig, z. B. Druckpapier oder Japanpapier

Bei den Klingen unterscheidet man vor allem zwei Formen: Der Geissfuss mit V-förmigem Querschnitt schneidet feine Linien und Konturen. Hohleisen mit U-förmigem Querschnitt gibt es in verschiedenen Breiten; schmale für Strukturen, breite zum Ausheben grösserer Flächen.

Wasserlösliche Farben lassen sich einfach mit Wasser reinigen und sind für Schule und Kurs die praktischste Wahl. Farben auf Ölbasis bieten häufig eine besonders satte Deckung, die Reinigung ist aber aufwendiger.

Sicherheit: so führen Sie das Linolmesser richtig

Linolmesser sind scharf, und beim Schneiden rutscht das Werkzeug gerne aus. Die meisten Verletzungen entstehen an der Hand, die die Platte festhält. Diese Regeln sind deshalb nicht verhandelbar:

  1. Immer vom Körper weg schneiden.
  2. Die haltende Hand befindet sich immer hinter dem Werkzeug, nie vor der Klinge oder in Schneidrichtung.
  3. Schneidhilfe oder Bankhaken verwenden. Die Platte liegt an einer Kante an und kann nicht wegrutschen. So muss die zweite Hand die Platte gar nicht nahe am Schnitt festhalten.
  4. Die Platte drehen, nicht die Hand: Für Kurven dreht die haltende Hand die Platte, das Werkzeug bewegt sich weiter vom Körper weg.
  5. Flach ansetzen und nicht zu tief schneiden. Ein flacher Winkel gibt Kontrolle; wer zu steil ansetzt, braucht mehr Kraft und rutscht eher ab.
  6. Scharfes Werkzeug verwenden. Stumpfe Klingen brauchen mehr Druck und sind gefährlicher.
  7. Werkzeug ablegen, nicht in der Hand halten, wenn Sie sprechen, schauen oder aufstehen. Klingen nach dem Gebrauch schützen und sicher versorgen.

Ein Tipp für harte Linoleumplatten: Kurz mit einer Wärmflasche, auf der Heizung oder mit einem Föhn anwärmen. Warmes Linoleum lässt sich deutlich leichter schneiden, was die Abrutschgefahr verringert.

Vom Entwurf zur Platte

  1. Entwurf zeichnen: Arbeiten Sie mit klaren Flächen in Schwarz und Weiss. Grautöne entstehen später durch Strukturen wie Schraffuren oder Punkte. Ein Filzstift zwingt zu Entscheidungen.
  2. Spiegeln: Übertragen Sie den Entwurf seitenverkehrt auf die Platte, zum Beispiel mit Graphitpapier oder indem Sie die Bleistiftzeichnung mit der Bildseite auf die Platte legen und abreiben.
  3. Markieren: Malen Sie die Flächen, die stehen bleiben sollen, mit einem Filzstift aus. So sehen Sie beim Schneiden sofort, was weg muss.
  4. Schneiden: Erst die Konturen mit dem Geissfuss, dann Flächen mit breiteren Hohleisen ausheben. Grosse helle Flächen ausreichend tief schneiden, damit sie keine Farbe annehmen.

Weiche Bleistifte eignen sich gut für den Entwurf und das Übertragen; Hinweise dazu finden Sie im Ratgeber Bleistift-Härtegrade von 9H bis 9B.

Drucken Schritt für Schritt

  1. Etwas Farbe auf die Farbplatte geben und mit der Walze in mehreren Richtungen gleichmässig ausrollen, bis die Schicht samtig aussieht.
  2. Die Platte mit der Walze in mehreren Richtungen gleichmässig einfärben. Lieber zweimal dünn als einmal dick, sonst laufen feine Linien zu.
  3. Papier vorsichtig auflegen und nicht mehr verschieben.
  4. Mit Falzbein, Holzlöffel oder der Handfläche kreisend und mit gleichmässigem Druck abreiben. Bei einer Druckpresse den Druck vorher an einem Probeblatt einstellen.
  5. Das Papier an einer Ecke anheben und kontrollieren. Ist der Druck zu hell, kann es an der Stelle nochmals abgerieben werden.
  6. Den Druck abziehen und zum Trocknen auslegen oder aufhängen.

Die ersten Drucke sind oft Probedrucke. Sie zeigen, wo noch nachgeschnitten werden muss. Nummerieren Sie die gelungenen Drucke einer Auflage unten links mit Bleistift, etwa 3/10, und signieren Sie rechts.

Weiterführende Techniken

  • Mehrfarbendruck mit mehreren Platten: Für jede Farbe eine eigene Platte, sauber übereinander gedruckt mit einer Passer-Vorrichtung.
  • Verlorene Form: Eine einzige Platte wird nach jedem Farbdurchgang weiter ausgeschnitten. Die Auflage muss von Anfang an festgelegt werden, weil die Platte am Schluss nicht mehr im Ursprungszustand ist.
  • Farbverlauf: Zwei Farben nebeneinander auf die Walze geben und ausrollen, bis ein weicher Übergang entsteht.
  • Drucken auf Stoff: Mit dafür geeigneter Textildruckfarbe entstehen bedruckte Taschen oder Shirts.

Linoldruck im Unterricht und Kurs

Für Schulklassen bewährt sich ein kleines Format, etwa A6 oder 10 × 15 cm, für die ersten Platten. Die Schülerinnen und Schüler erleben schneller ein Ergebnis und lernen die Technik, bevor sie sich an grössere Bilder wagen. Planen Sie Druckstationen mit Walze und Farbplatte für jeweils drei bis vier Personen; geschnitten wird am eigenen Platz. Saubere Hände sind beim Drucken entscheidend: Eine Person färbt ein, eine andere legt das Papier auf. Weitere Planungshilfen bietet der Ratgeber Material für Workshops und Kurse planen, eine Übersicht über BG-Material der Ratgeber Materialliste für Bildnerisches Gestalten.

Material für Druckgrafik und Gestaltung finden Sie in unserem Bereich Material für Bildnerisches Gestalten.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Welche Linolplatte eignet sich für Anfänger?

Weiche Schnittplatten lassen sich sehr leicht schneiden und sind ideal für Einsteiger und jüngere Schülerinnen und Schüler. Klassisches Linoleum ist fester, wird angewärmt aber ebenfalls gut schneidbar.

Wie verhindere ich Verletzungen beim Linolschnitt?

Schneiden Sie immer vom Körper weg, halten Sie die zweite Hand hinter dem Werkzeug und verwenden Sie eine Schneidhilfe oder einen Bankhaken, damit die Platte nicht wegrutscht.

Warum ist mein Linoldruck fleckig?

Meist war die Farbe zu dick oder ungleichmässig gewalzt, oder der Druck beim Abreiben war nicht gleichmässig. Rollen Sie die Farbe dünn und samtig aus und reiben Sie mit gleichmässigem Druck ab.