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Kunst & Atelier

Farbstifte, Aquarellstifte, Pastellstifte – die Unterschiede

Sie sehen fast gleich aus, verhalten sich aber völlig unterschiedlich. Wir erklären, was Farbstifte, Aquarellstifte und Pastellstifte unterscheidet und wofür sie sich eignen.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Farbstifte, Aquarellstifte, Pastellstifte – die Unterschiede – Symbolbild

Von aussen sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich: ein Holzschaft, eine farbige Mine. Erst beim Zeichnen zeigt sich der Unterschied. Der eine Stift legt eine satte, glänzende Farbschicht, der andere verwandelt sich mit einem nassen Pinsel in eine Aquarellfläche, der dritte hinterlässt samtigen, kreidigen Farbstaub.

Der Grund liegt in der Zusammensetzung der Mine. Wer weiss, was im Stift steckt, kann gezielt wählen – für den Unterricht, für Illustrationen oder für das Skizzenbuch.

Was steckt in der Mine?

Jede Farbmine besteht aus Pigmenten, Füllstoffen und Bindemitteln. Das Bindemittel entscheidet über das Verhalten:

  • Klassische Farbstifte enthalten Wachse und teilweise Öle. Sie sind wasserfest, lassen sich gut schichten und polieren.
  • Aquarellstifte haben wasserlösliche Bindemittel. Trocken verwendet zeichnen sie wie Farbstifte, mit Wasser lösen sie sich zu Aquarellfarbe.
  • Pastellstifte enthalten Pastellkreide mit wenig Bindemittel. Sie geben die Farbe pudrig ab und lassen sich mit Finger oder Wischer verreiben.

Farbstifte: Schicht für Schicht

Farbstifte sind das vielseitigste Werkzeug für präzise farbige Zeichnungen. Bei wachsbasierten Minen ist der Strich weich und deckend. Öl- oder wachs-ölbasierte Minen, etwa die Faber-Castell Polychromos oder die Caran d'Ache Pablo, sind meist etwas fester, bleiben länger spitz und neigen weniger zur sogenannten Wachsblüte, einem milchigen Schleier, der sich auf dicken Wachsschichten bilden kann.

Typische Techniken:

  • Schichten: mehrere Farben übereinander mit leichtem Druck. So entstehen Mischtöne direkt auf dem Papier.
  • Polieren (Burnishing): mit starkem Druck oder einem farblosen Blender werden die Schichten verdichtet, die Papierstruktur verschwindet, die Fläche glänzt.
  • Schraffieren: parallele oder gekreuzte Linien für Tonwerte und Struktur.
  • Eindrücken: Linien mit einem stumpfen Stift oder Prägewerkzeug vorher ins Papier drücken, die darüber gelegte Farbe lässt sie hell stehen.

Für sehr hohe Ansprüche an die Lichtbeständigkeit gibt es Künstlerserien mit geprüfter Lichtechtheit, etwa die Caran d'Ache Luminance.

Aquarellstifte: Zeichnen und Malen in einem

Aquarellstifte verbinden die Kontrolle des Stifts mit der Leichtigkeit des Aquarells. Bekannte Serien sind zum Beispiel die Caran d'Ache Supracolor und Museum Aquarelle oder die Faber-Castell Albrecht Dürer. Es gibt mehrere Arten, mit ihnen zu arbeiten:

  1. Trocken zeichnen, dann vermalen: Farbflächen anlegen und mit einem feuchten Pinsel lösen. Die Striche verschwinden ganz oder teilweise.
  2. Nass ins Nasse: auf angefeuchtetes Papier zeichnen. Der Strich wird intensiv und weich verlaufend.
  3. Vom Stift abnehmen: mit dem nassen Pinsel direkt Farbe von der Minenspitze aufnehmen und malen.
  4. Trocken über nass: nach dem Trocknen mit dem Stift Details auf die Aquarellfläche zeichnen.

Weil Wasser im Spiel ist, braucht es geeignetes Papier. Für leichtes Vermalen reicht ein kräftiges Zeichenpapier, für Flächen und mehrere Schichten empfiehlt sich Aquarellpapier, mehr dazu im Ratgeber Aquarellpapier richtig wählen. Aquarellstifte sind ausserdem ideal für unterwegs und für das Skizzenbuch: Ein Etui mit zwölf Stiften und ein Wassertankpinsel ersetzen einen ganzen Malkasten.

Pastellstifte: Kreide im Holzschaft

Pastellstifte enthalten Pastellkreide in einer Holzfassung. Sie verbinden die samtige Farbwirkung von Softpastell mit der Präzision eines Stifts. Darum werden sie häufig zusammen mit Pastellkreiden verwendet: die Kreide für Flächen, der Stift für Details, Konturen und Haare. Ein Beispiel sind die Faber-Castell Pitt Pastel; auch die Stabilo CarbOthello sind kreideartige Stifte, die sich mit Wasser vermalen lassen.

Pastell braucht Papier mit Zahn, also mit einer rauen, griffigen Oberfläche, die die Pigmente festhält. Auf glattem Papier rutscht der Stift. Fertige Arbeiten sind empfindlich gegen Berührung und werden fixiert oder hinter Glas gerahmt. Mehr zur Technik erfahren Sie im Ratgeber Zeichnen mit Kohle, Kreide und Pastell.

Die drei Stiftarten im Überblick

MerkmalFarbstiftAquarellstiftPastellstift
BindemittelWachs und/oder Ölwasserlöslichwenig Bindemittel, kreidig
Wasserfestjaneinnein
Wirkungdicht, präzise, teils glänzendtransparent bis kräftigsamtig, matt
Papierglatt bis leicht strukturiertZeichen- oder AquarellpapierPapier mit Zahn
Fixierennicht nötignicht nötigempfohlen

Ideen für den Unterricht

Die drei Stiftarten eignen sich hervorragend, um im BG Materialerfahrungen zu sammeln. Eine einfache Unterrichtssequenz: Die Schülerinnen und Schüler zeichnen dasselbe kleine Motiv, etwa einen Apfel oder ein Blatt, dreimal nebeneinander – einmal mit Farbstiften geschichtet, einmal mit Aquarellstiften vermalt, einmal mit Pastellstiften verrieben. Anschliessend beschreiben sie Wirkung, Aufwand und Schwierigkeiten. So wird aus dem Vergleich eine echte Lernerfahrung.

Weitere Ideen: Mit Aquarellstiften Wetterstimmungen im Skizzenbuch festhalten, mit Farbstiften Stoffstrukturen und Materialien naturgetreu wiedergeben oder mit Pastellstiften auf farbigem Papier Porträts mit Licht und Schatten zeichnen. Für Klassensätze lohnt es sich, die Stifte pro Gruppe in Bechern nach Farbfamilien zu sortieren. Das spart Zeit und schont die Minen, weil weniger Stifte herunterfallen.

Worauf es beim Kauf ankommt

  • Pigmentgehalt: Hochwertige Stifte geben mit wenig Druck viel Farbe ab. Billige Stifte bleiben blass, egal wie stark man drückt.
  • Bruchfestigkeit: Für Kinderhände und den Schulalltag sind dicke, bruchfeste Minen sinnvoll, zum Beispiel aus den Schulsortimenten von Caran d'Ache, Faber-Castell oder Stabilo.
  • Lichtechtheit: wichtig für Arbeiten, die ausgestellt oder verkauft werden. Viele Künstlerserien geben sie pro Farbe an.
  • Einzelstifte: Häufig gebrauchte Farben wie Weiss, Schwarz oder Hautöne gehen schneller aus. Gut, wenn man sie einzeln nachkaufen kann.

Für die Schule genügt oft eine Schachtel mit 12 bis 24 Farben, im Atelier wächst die Sammlung mit den eigenen Motiven. Eine grosse Auswahl finden Sie unter Farbstifte und Filzstifte, ergänzende Zeichenmittel unter Zeichenmaterial.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Kann ich Aquarellstifte auch trocken verwenden?

Ja. Trocken verhalten sie sich wie normale Farbstifte, sind aber meist etwas weicher. Erst mit Wasser lösen sie sich zu Aquarellfarbe.

Welches Papier brauche ich für Aquarellstifte?

Für leichtes Vermalen reicht kräftiges Zeichenpapier ab etwa 150 g/m². Für grössere Flächen und mehrere Schichten ist Aquarellpapier um 300 g/m² besser.

Muss ich Farbstiftzeichnungen fixieren?

Wachs- und ölbasierte Farbstifte müssen nicht fixiert werden. Ein Fixativ kann aber Wachsblüte verhindern und stark polierte Flächen schützen. Pastellstifte sollten fixiert oder hinter Glas gerahmt werden.