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Kurse & Werken

Modellbau mit Karton im Unterricht

Karton ist das ideale Material, um räumliche Ideen sichtbar zu machen. So planen Sie Modellbauprojekte, wählen das richtige Material und arbeiten sicher.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Modellbau mit Karton im Unterricht – Symbolbild

Ein Modell macht eine Idee greifbar. Ob Traumhaus, Möbelentwurf, Bühnenbild, Brücke oder Stadtquartier: Wer ein Modell baut, muss räumlich denken, planen, messen und Entscheidungen treffen. Karton ist dafür das ideale Material. Er ist günstig, gut verfügbar, mit einfachen Werkzeugen zu bearbeiten und verzeiht auch einmal einen Fehler. Im TTG- und BG-Unterricht, in Architekturkursen und in Projektwochen eignet sich Modellbau deshalb hervorragend.

Die passenden Kartonsorten

Nicht jeder Karton eignet sich für jeden Zweck. Eine Übersicht über die gängigsten Materialien:

Material Eigenschaften Typischer Einsatz
Fotokarton (ca. 300 g/m²) farbig, mit Cutter und kräftiger Schere schneidbar Fassaden, Dächer, farbige Elemente
Graukarton / Graupappe steif, formstabil, je nach Stärke 1–3 mm Grundplatten, tragende Wände, Sockel
Wellkarton leicht, stabil, sichtbare Wellenstruktur grosse Modelle, Geländeschichten, Dächer
Weisser Modellbaukarton glatte Oberfläche, saubere Kanten Architekturmodelle, abstrakte Massenmodelle
Verpackungskarton (Upcycling) kostenlos, unterschiedliche Qualitäten Prototypen, erste Entwürfe, Grossformate

Für erste Entwürfe reicht oft Verpackungskarton – Ideen dazu finden Sie im Ratgeber Upcycling im Werk- und Bastelunterricht. Für die Endfassung lohnt sich ein einheitliches Material, das dem Modell eine ruhige, professionelle Wirkung gibt. Was Fotokarton von Tonkarton unterscheidet, erklärt der Ratgeber Tonpapier, Tonkarton, Fotokarton.

Werkzeug und Arbeitsplatz

  • Cutter mit Abbrechklingen, für feine Arbeiten auch Skalpell-ähnliche Bastelmesser
  • Schneidematte für jeden Arbeitsplatz
  • Stahllineal, idealerweise mit rutschfester Unterseite, und ein Winkel
  • Bleistift mittlerer Härte und Radiergummi
  • Falzbein zum Rillen
  • Weissleim bzw. Bastelleim, eventuell Klebeband zum Fixieren während des Trocknens
  • Stecknadeln oder Klammern zum Halten von Teilen
  • Heissleimpistole für schnelle Verbindungen, nur mit klaren Regeln

Die Grundausstattung für einen gut eingerichteten Werkraum beschreibt der Ratgeber Grundausstattung für den TTG-Werkraum.

Sicherheit beim Schneiden und Kleben

Beim Modellbau wird viel mit dem Cutter gearbeitet, und Karton erfordert mehr Kraft als Papier. Deshalb sind klare Regeln wichtig:

  1. Immer auf der Schneidematte und mit Stahllineal schneiden.
  2. Die haltende Hand liegt flach auf dem Lineal, Finger hinter der Kante.
  3. Vom Körper weg schneiden. Niemand steht oder sitzt in der Verlängerung der Schnittrichtung.
  4. Dicken Karton in mehreren Durchgängen schneiden, nicht mit Gewalt.
  5. Stumpfe Klingen abbrechen – mit dem dafür vorgesehenen Abbrecher oder einer Zange, nicht mit den Fingern – und die Klingenstücke in einem verschlossenen Behälter entsorgen.
  6. Den Cutter nach jedem Schnitt einfahren und nie offen in der Hand herumtragen.
  7. Heissleim: feste Ablage für die Pistole, Hinweis auf Verbrennungsgefahr, kaltes Wasser in der Nähe. Für jüngere Schülerinnen und Schüler gibt es Niedertemperatur-Pistolen.

Massstab verstehen und anwenden

Ein Modell wird in einem Massstab gebaut. Bei 1:50 entspricht ein Zentimeter im Modell 50 Zentimetern in der Wirklichkeit, bei 1:100 einem Meter. Für Sekundarschülerinnen und -schüler ist das eine wertvolle Anwendung aus der Mathematik. Gängige Massstäbe für Unterrichtsprojekte:

  • 1:20 bis 1:10: Möbel, einzelne Räume, Details
  • 1:50: Häuser, Innenräume mit Einrichtung
  • 1:100 bis 1:200: Gebäude, Gebäudegruppen
  • 1:500 und kleiner: Quartiere, Stadtmodelle

Ein hilfreicher Schritt: Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler zuerst eine Figur im gewählten Massstab ausschneiden. Eine 1,70 Meter grosse Person misst bei 1:50 rund 3,4 Zentimeter. Diese Figur wird ins Modell gestellt und macht Proportionen sofort erlebbar – zu niedrige Türen oder zu schmale Treppen fallen dann von selbst auf.

Verbindungen und Konstruktion

Stabile Modelle entstehen durch durchdachte Verbindungen:

  • Stumpfe Klebung: Kante auf Fläche. Einfach, aber bei dünnem Karton wenig stabil.
  • Klebelaschen: Beim Zuschnitt werden schmale Laschen mitgeplant, gerillt und umgeklappt. Klassisch bei Schachteln und Faltmodellen.
  • Gehrung: Die Kanten werden schräg angeschnitten und ergeben eine saubere Ecke. Anspruchsvoller, wirkt sehr professionell.
  • Steckverbindungen: Schlitze in zwei Teilen werden ineinandergesteckt. Ideal für Möbelmodelle und Konstruktionen ohne Leim.
  • Versteifungen: Innenwände, Winkel oder Böden geben grossen Flächen Halt.

Saubere Grundtechniken zum Falten, Rillen und Kleben zeigt der Ratgeber Papiertechniken: Falten, Schneiden, Kleben.

Ein Modellbauprojekt planen

Ein bewährter Ablauf für ein Projekt über mehrere Lektionen:

  1. Idee und Skizze: Freihandskizzen, Ansichten, erste Varianten.
  2. Arbeitsmodell: Schnell und grob aus Verpackungskarton, um Volumen und Proportionen zu prüfen.
  3. Plan: Grundriss und Ansichten im gewählten Massstab zeichnen.
  4. Abwicklungen: Die Teile auf den Karton übertragen, Laschen einplanen.
  5. Bau: Grundplatte zuerst, dann tragende Teile, dann Details.
  6. Präsentation: Modell fotografieren, Projekt dokumentieren, Entscheidungen begründen.

Rechnen Sie bei der Materialplanung pro Person mit genügend Reserve für Fehlschnitte. Bei Graukarton-Grundplatten lohnt es sich, die Platten vorab in einheitlicher Grösse zuzuschneiden.

Oberflächen, Details und Präsentation

Ein Modell muss nicht bunt sein, um zu überzeugen. Im Gegenteil: Architekturmodelle wirken oft gerade dann stark, wenn sie aus einem einzigen, hellen Material bestehen und die Form im Vordergrund steht. Farbe und Struktur setzen Sie besser gezielt ein, etwa um Bestand und Neubau, Wasser und Land oder verschiedene Nutzungen zu unterscheiden. Bäume lassen sich mit einfachen Mitteln andeuten, zum Beispiel mit Kugeln aus Papier, Holzstäbchen oder Naturmaterial, das im Ratgeber Basteln mit Naturmaterial beschrieben ist.

Bemalen Sie Kartonteile möglichst vor dem Zusammenbau und nur mit wenig Wasser, da sich Karton sonst verzieht. Acrylfarbe deckt gut und trocknet rasch. Für die Präsentation lohnt sich eine neutrale Grundplatte mit beschriftetem Titelschild, Massstab und Name. Fotografieren Sie das Modell vor einem einfarbigen Hintergrund und auf Augenhöhe der Massstabsfigur – so entstehen eindrückliche Bilder für die Dokumentation und das Portfolio.

Material für Modellbau und Werken finden Sie in unserem Bereich TTG-Werkmaterial.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Welcher Karton eignet sich für Architekturmodelle in der Schule?

Für Grundplatten und tragende Teile eignet sich Graukarton, für Wände und Fassaden weisser Modellbaukarton oder Fotokarton. Erste Entwürfe lassen sich gut aus Verpackungskarton bauen.

Welcher Massstab passt für ein Hausmodell?

Für ein einzelnes Haus mit Innenräumen ist 1:50 ein guter Massstab. Eine Person von 1,70 Meter misst darin rund 3,4 Zentimeter.

Welcher Klebstoff hält Karton am besten?

Weissleim bzw. Bastelleim hält sehr gut, braucht aber Trockenzeit. Heissleim verbindet schneller, erfordert jedoch Vorsicht wegen Verbrennungsgefahr.