Im Fach Textiles und Technisches Gestalten (TTG) arbeiten Schülerinnen und Schüler mit Holz, Metall, Kunststoff, Papier, Karton und Textilien. Der Lehrplan 21 legt dabei Wert auf den ganzen Designprozess: Ideen entwickeln, experimentieren, planen, herstellen und reflektieren. Damit das gelingt, braucht es einen Werkraum, in dem Werkzeug und Material griffbereit, in gutem Zustand und sicher verstaut sind.
Dieser Ratgeber richtet sich an TTG-Lehrpersonen, die einen Werkraum neu einrichten, übernehmen oder einfach einmal kritisch überprüfen möchten. Die Liste ist bewusst praxisorientiert: Was wird im Unterricht wirklich gebraucht, und was darf fehlen?
Werkzeug für den technischen Bereich
Für die Arbeit mit Holz und Karton braucht es eine solide Grundausstattung, idealerweise als Satz für die Gruppengrösse, mit der Sie arbeiten. Bei Halbklassen sind das oft acht bis zwölf Arbeitsplätze.
- Hobelbänke oder Werkbänke mit Vorderzange
- Laubsägen mit Sägetischchen und genügend Ersatzblättern
- Feinsägen und Japansägen für gerade Schnitte
- Raspeln, Feilen und Schleifklötze in verschiedenen Körnungen
- Hammer, Zangen, Schraubenzieher in gängigen Grössen
- Handbohrer, Akkubohrer und Bohrersätze für Holz und Metall
- Schraubzwingen in mehreren Grössen
- Anschlagwinkel, Stahlmassstab, Massband
Beim Kauf von Werkzeug für den Unterricht lohnt sich ein Blick auf Griffgrösse und Gewicht. Werkzeug, das für Erwachsenenhände ausgelegt ist, kann für jüngere Schülerinnen und Schüler zu schwer oder zu gross sein. Ein kleinerer Hammer, eine kürzere Säge oder eine Laubsäge mit leichtem Bügel sind sicherer, weil die Kinder sie kontrolliert führen können. Bei Laubsägeblättern gilt: lieber genug Ersatz vorrätig haben, denn sie brechen im Unterricht regelmässig – das gehört zum Lernen dazu.
Für Metallarbeiten kommen Blechscheren, ein Schraubstock mit Schutzbacken, Körner, Metallfeilen und je nach Schulhaus eine Lötstation dazu. Maschinen wie Standbohrmaschine, Bandschleifer oder Dekupiersäge erweitern die Möglichkeiten, verlangen aber klare Sicherheitsregeln und eine Einführung.
Werkzeug für den textilen Bereich
Im textilen Bereich ist die Grundausstattung anders gelagert. Wichtig sind:
- Nähmaschinen in gutem Wartungszustand, mit Ersatznadeln und Spulen
- Stoffscheren, die ausschliesslich für Textilien benutzt werden
- Papierscheren für Schnittmuster
- Stecknadeln, Nadelkissen, Handnähnadeln in verschiedenen Stärken
- Massbänder, Schneiderkreide, Trickmarker
- Bügeleisen und Bügelbrett
- Nähgarn in Grundfarben
Ein bewährter Tipp: Stoffscheren mit einem farbigen Band markieren und klar kommunizieren, dass sie nie für Papier verwendet werden. Papier stumpft die Klingen schnell ab.
Nähmaschinen sind im textilen Bereich die wichtigste Investition. Planen Sie eine regelmässige Wartung ein und halten Sie für jede Maschine das passende Zubehör bereit: Nähfüsse, Spulen, Nadeln in verschiedenen Stärken und die Bedienungsanleitung. Eine laminierte Kurzanleitung zum Einfädeln neben jeder Maschine spart im Unterricht viele Rückfragen. Ergänzend sind Stoffreste, Filz, Wolle, Knöpfe und Bänder für Experimente und Musterstücke hilfreich – gerade in der Phase, in der die Schülerinnen und Schüler Ideen ausprobieren, bevor sie ihr eigentliches Produkt herstellen.
Verbrauchsmaterial und Kleinteile
Neben Werkzeug braucht es eine Grundausstattung an Material, das laufend aufgebraucht wird. Dazu gehören Schleifpapier in verschiedenen Körnungen, Holzleim, Schrauben, Nägel, Unterlegscheiben, Klebeband, Malerabdeckband sowie Bleistifte und Fineliner für das Anzeichnen. Für Modelle und Prototypen sind Karton, Graukarton, Wellkarton und Heissleim unverzichtbar. Ideen zur Arbeit mit Karton finden Sie im Ratgeber Modellbau mit Karton im Unterricht.
Für das Skizzieren und Planen im Designprozess lohnt sich ein Vorrat an einfachem Zeichenpapier, Bleistiften verschiedener Härte und Farbstiften. Ein breites Sortiment für den Werkunterricht bietet der Bereich Material für TTG und Werken.
Ordnung im Werkraum
Ein Werkraum funktioniert nur, wenn alle wissen, wo was hingehört. Bewährt haben sich:
- Werkzeugwände mit Umrissen: Jedes Werkzeug hat seinen aufgezeichneten Platz. Fehlt etwas, fällt es sofort auf.
- Beschriftete Boxen: Kleinteile nach Art und Grösse sortiert, mit klarer Beschriftung – gerne mit Bild für jüngere Schülerinnen und Schüler.
- Materiallager mit Bestandsliste: Holz, Platten und Karton liegend oder in Regalen nach Stärke geordnet.
- Arbeitsfächer pro Klasse: Angefangene Arbeiten werden in beschrifteten Fächern oder Kisten aufbewahrt.
Planen Sie am Ende jeder Lektion fünf Minuten für das Aufräumen ein und verteilen Sie feste Ämtli: Werkzeugwand kontrollieren, Boden wischen, Leimtöpfe schliessen, Abfälle trennen. Wenn der Raum am Ende der Lektion so aussieht, wie die Klasse ihn angetroffen hat, kann die nächste Gruppe ohne Verzögerung beginnen. Mehr dazu im Ratgeber Ordnung im Materialschrank.
Sicherheit gehört zur Grundausstattung
Sicherheit ist im Werkraum kein Zusatz, sondern Teil der Einrichtung. Prüfen Sie, ob Folgendes vorhanden und zugänglich ist:
- Erste-Hilfe-Kasten, regelmässig kontrolliert und aufgefüllt
- Schutzbrillen in ausreichender Anzahl, auch für Brillenträger
- Gehörschutz bei lauten Maschinen
- Haarbänder für lange Haare bei Arbeiten an Maschinen
- Feuerlöscher und Löschdecke, besonders bei Lötstationen oder Heissleim
- Gut sichtbare, verständliche Regeln für jede Maschine
Klären Sie zudem die Vorgaben Ihrer Schule und Ihres Kantons zum Umgang mit Maschinen. Vielerorts gibt es klare Regeln, welche Maschinen von Schülerinnen und Schülern benutzt werden dürfen.
Checkliste zum Überprüfen
| Bereich | Prüfen |
|---|---|
| Werkzeug | vollständig, scharf, funktionstüchtig |
| Maschinen | gewartet, Schutzvorrichtungen intakt |
| Verbrauchsmaterial | Bestand für das nächste Semester ausreichend |
| Ordnung | Werkzeugwand vollständig, Boxen beschriftet |
| Sicherheit | Erste Hilfe, Schutzbrillen, Feuerlöscher |
| Dokumentation | Inventarliste aktuell |
Ein Tipp zum Schluss: Planen Sie die Kontrolle fest ein, zum Beispiel in der letzten Woche vor den Sommerferien. So können Sie Ersatz rechtzeitig bestellen und starten im August mit einem vollständigen Werkraum. Für die Budgetplanung hilft der Ratgeber Materialbudget der Schule clever einteilen.



