In vielen Schulen steht für Unterrichtsmaterial ein festes Budget pro Klasse, pro Fach oder pro Schulhaus zur Verfügung. Wie gross es ist und wer darüber entscheidet, ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Eines ist aber fast überall gleich: Die Mittel sind begrenzt, und am Ende des Schuljahres fehlt oft genau das, was man am dringendsten bräuchte.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie ein Materialbudget sinnvoll planen, Prioritäten setzen und typische Fehler vermeiden. Er richtet sich an Lehrpersonen mit eigenem Budget, an Fachschaften und an Personen, die im Schulhaus für das Material verantwortlich sind.
Schritt 1: Den Bestand erfassen
Bevor Sie planen, müssen Sie wissen, was vorhanden ist. Eine Bestandsaufnahme klingt aufwendig, lohnt sich aber jedes Jahr. Sie verhindert Doppelkäufe und zeigt, wo tatsächlich Lücken bestehen.
- Materialschrank, Werkraum und Lager durchgehen
- Defektes oder eingetrocknetes Material aussortieren
- Bestand in einer einfachen Tabelle notieren: Artikel, Menge, Zustand
- Auffällige Lücken markieren
Beziehen Sie dabei auch Material ein, das in Schulzimmern verstreut liegt. Oft stehen in einem Zimmer drei angebrochene Packungen Tonpapier, während im Nachbarzimmer genau diese Farbe fehlt. Ein gemeinsamer Blick in alle Schränke des Schulhauses kann überraschend viel zutage fördern.
Am besten erledigen Sie das in den letzten Wochen vor den Sommerferien. Dann sind die Erfahrungen aus dem laufenden Schuljahr noch frisch, und Sie wissen, was im Unterricht gefehlt hat. Hilfreich ist dabei ein übersichtlich eingerichteter Schrank – Tipps dazu im Ratgeber Ordnung im Materialschrank.
Schritt 2: Den Bedarf aus der Jahresplanung ableiten
Das Budget sollte der Unterrichtsplanung folgen, nicht umgekehrt. Gehen Sie Ihre Jahresplanung durch und notieren Sie für jedes Thema oder Projekt, welches Material es braucht. So wird aus einer vagen Wunschliste ein konkreter Bedarf.
Fragen Sie sich bei jedem Projekt auch, welches Material wiederverwendbar ist. Druckwalzen, Pinsel oder Schneidematten werden einmal gekauft und über Jahre genutzt. Papier, Farbe und Leim werden dagegen verbraucht. Diese Unterscheidung hilft, den jährlichen Grundbedarf von einmaligen Anschaffungen zu trennen – und macht die Planung für das Folgejahr deutlich einfacher.
Ein Beispiel: Wenn im Frühling ein Druckprojekt geplant ist, braucht es Druckfarben, Walzen und Papier. Ist im Herbst ein Projekt mit Acrylfarben auf Karton vorgesehen, müssen Farben, Pinsel und Malgründe bereitstehen. Wer so plant, kann auch abschätzen, wann welches Material bestellt werden muss.
Schritt 3: Prioritäten setzen
Reicht das Budget nicht für alles, hilft eine einfache Einteilung in drei Gruppen:
| Priorität | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| A – unverzichtbar | Ohne dieses Material ist Unterricht nicht möglich | Papier, Bleistifte, Leim, Grundfarben |
| B – wichtig | Verbessert den Unterricht deutlich | Ersatz für abgenutzte Pinsel, zusätzliche Farbtöne |
| C – wünschenswert | Erweitert die Möglichkeiten | Neue Techniken, Spezialpapiere, Zusatzwerkzeug |
Decken Sie zuerst alle A-Positionen, dann B. Was für C übrig bleibt, kann gezielt für ein neues Projekt eingesetzt werden. So vermeiden Sie, dass das Budget für Spezielles aufgebraucht ist, bevor das Grundlegende bestellt wurde.
Schritt 4: Qualität gezielt einsetzen
Das Budget reicht nicht weiter, wenn man überall das Günstigste kauft. Billige Pinsel, die nach drei Lektionen ihre Haare verlieren, oder Farbstifte, deren Minen beim Spitzen dauernd brechen, müssen schnell ersetzt werden. Eine sinnvolle Faustregel:
- Werkzeuge, die jahrelang halten sollen: in Qualität investieren (Scheren, Zirkel, gute Pinsel, Schneidematten)
- Farbmaterial für den täglichen Einsatz: solide Schulqualität wählen, etwa von Caran d'Ache, Faber-Castell, Stabilo oder Talens
- Verbrauchsmaterial für Vorübungen: darf einfacher sein
Wie man den Bedarf an Klassensätzen richtig bestimmt, erklärt der Ratgeber Klassensätze richtig planen und bestellen.
Schritt 5: Sammelbestellungen planen
Viele kleine Bestellungen über das Jahr verteilt kosten Zeit und verursachen jedes Mal Versandkosten. Sinnvoller sind zwei bis drei geplante Sammelbestellungen pro Schuljahr:
- Hauptbestellung im Frühsommer: Grundausstattung und Verbrauchsmaterial für das kommende Schuljahr.
- Ergänzung im Herbst: Material für Projekte im Winter, zum Beispiel für die Adventszeit.
- Nachbestellung im Frühling: Lücken schliessen und Material für Projektwochen.
Bei Materialkollektiv gilt eine Versandpauschale pro Bestellung – auch das spricht dafür, Bestellungen zu bündeln, statt einzelne Artikel nachzubestellen. Jede Bestellung wird persönlich geprüft und vor dem Versand bestätigt, sodass Fragen zu Mengen und Varianten vorher geklärt werden können. Ein breites Sortiment finden Sie unter Schulmaterial.
Schritt 6: Im Team absprechen
Wenn mehrere Lehrpersonen dasselbe Material nutzen, lohnt sich eine Absprache. Gemeinsam genutzte Bestände – etwa ein zentraler Vorrat an Papier oder Farben – sind effizienter als viele kleine Lager in jedem Schulzimmer. Bestimmen Sie eine verantwortliche Person, die den Überblick behält und Bestellungen koordiniert. Für TTG und BG sind Absprachen über Fachgrenzen hinweg besonders sinnvoll, weil sich viele Materialien überschneiden.
Dokumentieren Sie am Ende des Schuljahres kurz, was gut funktioniert hat und wo das Budget knapp wurde. Diese Notizen sind die beste Grundlage für die nächste Planung und helfen auch bei Gesprächen mit der Schulleitung, falls eine Anpassung des Budgets nötig ist.
Eine kurze Übersicht als Merkhilfe:
- Bestand jährlich vor den Sommerferien erfassen
- Bedarf aus der Jahresplanung ableiten, nicht aus dem Katalog
- Prioritäten A, B und C festlegen
- Qualität dort einsetzen, wo sie lange wirkt
- Zwei bis drei Sammelbestellungen pro Jahr planen
- Im Team absprechen und Erfahrungen festhalten
Wer Nachhaltigkeit bei der Planung mitdenkt, spart oft zusätzlich. Anregungen dazu bietet der Ratgeber Schulmaterial nachhaltig einkaufen.



