Jede Lehrperson kennt die Situation: Für die nächste Lektion braucht es Transparentpapier, und irgendwo im Schrank muss noch eine Packung liegen. Nach zehn Minuten Suchen taucht sie auf – zerknittert, unter einem Stapel Kartonresten. Ein unaufgeräumter Materialschrank kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld, weil Vorhandenes übersehen und neu gekauft wird.
Ordnung im Materialschrank ist kein einmaliges Projekt, sondern ein System, das im Alltag funktionieren muss – auch dann, wenn mehrere Lehrpersonen und viele Kinder darauf zugreifen. Die folgenden Schritte haben sich in Schulzimmern, Werkräumen und zentralen Materiallagern bewährt.
Schritt 1: Ausräumen und aussortieren
Ein neues System beginnt mit einem leeren Schrank. Nehmen Sie sich dafür einen Nachmittag Zeit, idealerweise gegen Ende des Schuljahres, und gehen Sie jedes Fach durch:
- Behalten: Material, das regelmässig gebraucht wird und in gutem Zustand ist
- Weitergeben: Brauchbares, das Sie nicht mehr nutzen – vielleicht freut sich eine Kollegin darüber
- Restekiste: Papier- und Kartonreste, die sich für Collagen oder Kleinarbeiten eignen
- Entsorgen: Eingetrocknete Farben, ausgetrocknete Filzstifte, verbogene Scheren, vergilbtes Papier
Seien Sie dabei ehrlich mit sich selbst. Material, das seit drei Jahren unbenutzt im Schrank liegt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch im vierten Jahr nicht gebraucht. Und eingetrocknete Leimstifte werden auch durch Aufbewahren nicht wieder gut.
Schritt 2: Zonen bilden
Ordnen Sie das Material nach Verwendung, nicht nach Zufall. Bewährte Zonen sind:
| Zone | Inhalt | Platzierung |
|---|---|---|
| Täglicher Bedarf | Bleistifte, Leimstifte, Scheren, Klebeband | Augenhöhe, gut zugänglich |
| Papier | Zeichenpapier, Tonpapier, Kopierpapier | flach liegend, nach Format sortiert |
| Farben | Deckfarben, Gouache, Acryl, Pinsel | mittlere Höhe, nahe beim Lavabo |
| Projektmaterial | Material für einzelne Themen oder Techniken | beschriftete Boxen, oben |
| Reserve | Nachschub, ungeöffnete Packungen | unten oder im Lager |
Schwere Dinge gehören nach unten, häufig Gebrauchtes auf Augenhöhe. Was die Kinder selbst holen dürfen, sollte für sie gut erreichbar sein – was nur die Lehrperson verwendet, darf weiter oben stehen.
Schritt 3: Boxen und Beschriftung
Das Herzstück eines funktionierenden Materialschranks sind einheitliche Boxen mit klarer Beschriftung. Einheitliche Grössen lassen sich gut stapeln und sehen ruhig aus. Transparente Boxen haben den Vorteil, dass man den Inhalt sieht. Bei offenen Regalen wirken undurchsichtige Boxen dafür aufgeräumter.
Für die Beschriftung gilt: gross, gut lesbar und einheitlich. Ein Beschriftungsgerät liefert saubere, dauerhafte Etiketten. Für jüngere Kinder hilft ein Foto oder Symbol neben dem Text. Mehr dazu im Ratgeber Beschriftungsgeräte für mehr Ordnung.
Ein Tipp aus der Praxis: Beschriften Sie nicht nur die Box, sondern auch den Platz im Regal. Dann wandert die Box nach dem Gebrauch wieder an ihren Ort zurück – auch wenn sie von jemand anderem eingeräumt wird.
Schritt 4: Papier richtig lagern
Papier ist das am häufigsten gebrauchte Material und gleichzeitig das empfindlichste. Es knickt leicht, nimmt Feuchtigkeit auf und vergilbt im Licht. Lagern Sie Papier deshalb:
- flach liegend in Fächern oder Schubladen, nicht stehend
- nach Format und Grammatur getrennt
- trocken und nicht direkt am Fenster
- in der Originalverpackung, solange sie nicht angebrochen ist
Für grosse Formate und Rollenpapier bewähren sich Planschränke oder Wandhalterungen. Angebrochene Packungen lassen sich in Sichthüllen oder Kartonmappen aufbewahren, die vorne mit Format, Farbe und Grammatur beschriftet sind – so muss niemand mehr den ganzen Stapel durchsuchen. Farbiges Papier sollte möglichst lichtgeschützt aufbewahrt werden, weil manche Farben sonst ausbleichen.
Schritt 5: Ordner und Dokumente
Zum Materialschrank gehört oft auch ein Bereich für Unterlagen: Kopiervorlagen, Anleitungen, Unterrichtsdokumentationen. Hier bewährt sich ein einheitliches Ordnersystem mit Rückenschildern in Farbe pro Fach oder Thema. Ordner und Register von Leitz sind dafür ein bewährter Standard, weil sie stabil sind und in jedes Regal passen. Wie Sie ein durchdachtes System aufbauen, zeigt der Ratgeber Ein Ablagesystem mit Ordnern und Registern aufbauen. Weitere Lösungen finden Sie unter Ordnen und Archivieren.
Schritt 6: Ordnung halten
Das beste System nützt nichts, wenn es nach drei Wochen wieder im Chaos endet. Damit die Ordnung bleibt, braucht es Regeln, die alle kennen:
- Alles hat einen Platz. Was keinen festen Platz hat, gehört nicht in den Schrank.
- Zurück nach Gebrauch. Material wird nach der Lektion zurückgestellt – von den Kindern, mit festen Ämtli.
- Fehlendes notieren. Eine Nachbestellliste an der Schranktüre, auf der jede Person einträgt, was zur Neige geht.
- Regelmässige Kontrolle. Einmal im Monat einen kurzen Blick, einmal pro Semester eine gründliche Kontrolle.
Die Nachbestellliste ist dabei das wichtigste Werkzeug. Sie verhindert, dass Material ausgeht, ohne dass es jemand merkt, und ist gleichzeitig die Grundlage für die nächste Sammelbestellung. Wie Sie solche Bestellungen sinnvoll planen, zeigt der Ratgeber Materialbudget der Schule clever einteilen.
Bei gemeinsam genutzten Schränken im Schulhaus lohnt es sich, eine verantwortliche Person zu bestimmen. Sie behält den Überblick, koordiniert Bestellungen und erinnert an die Regeln. Das muss keine grosse Aufgabe sein – oft genügen ein paar Minuten pro Woche. Wichtig ist, dass jemand den Überblick hat und die Liste an der Schranktüre auch tatsächlich gelesen wird.
Und schliesslich: Beziehen Sie die Klasse mit ein. Kinder, die mithelfen, den Schrank einzurichten, verstehen das System und halten es eher ein. Ein «Materialchef» oder eine «Materialchefin» pro Woche kann kontrollieren, ob alles am richtigen Platz ist, und fehlendes Material melden. So wird Ordnung zur gemeinsamen Aufgabe statt zur Last der Lehrperson.



