(öffnet in neuem Tab)

Kurse & Werken

Basteln mit Naturmaterial

Blätter, Äste, Zapfen und Steine: Naturmaterial ist vielseitig und regt die Fantasie an. So sammeln, verarbeiten und gestalten Sie sicher und respektvoll.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Basteln mit Naturmaterial – Symbolbild

Ein Spaziergang durch den Wald, ein Rundgang über den Pausenplatz oder ein Ausflug ans Seeufer – überall liegt Material, das sich zum Gestalten eignet. Blätter, Äste, Zapfen, Rinde, Steine, Samen und Federn haben Formen, Farben und Strukturen, die kein Bastelkatalog ersetzen kann. Basteln mit Naturmaterial verbindet Gestaltung mit Naturbeobachtung und eignet sich für Kinder ebenso wie für Erwachsene.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie verantwortungsvoll sammeln, das Material vorbereiten und mit einfachen Mitteln schöne Projekte umsetzen.

Respektvoll sammeln

Naturmaterial ist kostenlos, aber nicht grenzenlos verfügbar. Mit ein paar Regeln bleibt das Sammeln im Einklang mit der Natur:

  • Nur was am Boden liegt: Herabgefallene Blätter, Äste, Zapfen und Früchte statt Abreissen von lebenden Pflanzen.
  • Schutzgebiete beachten: In Naturschutzgebieten gilt in der Regel ein Sammelverbot. Auch geschützte Pflanzen dürfen nicht gepflückt werden.
  • Massvoll sammeln: Nur so viel mitnehmen, wie tatsächlich gebraucht wird. Totholz und Laub sind Lebensraum für viele Tiere.
  • Privatgrund respektieren: In Gärten, auf Feldern und in Obstanlagen nur mit Erlaubnis sammeln.
  • Kein Moos abtragen: Moos wächst sehr langsam und ist ökologisch wertvoll.

Mit Schulklassen lohnt es sich, diese Regeln vor dem Sammeln gemeinsam zu besprechen. So wird der Ausflug gleichzeitig zu einer kleinen Lektion in Natur- und Umweltbildung.

Vorsicht bei giftigen Pflanzen

Einige verbreitete Pflanzen sind giftig. Kinder sollten wissen, dass gesammelte Früchte und Samen nie in den Mund gehören. Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei diesen Pflanzen geboten:

  • Eibe – Nadeln und Samen sind stark giftig, nur der rote Samenmantel nicht
  • Pfaffenhütchen – auffällige, aber giftige Früchte
  • Seidelbast, Goldregen, Fingerhut und Herbstzeitlose
  • Tollkirsche und andere Nachtschattengewächse

Sammeln Sie mit jüngeren Kindern bevorzugt bekannte und unbedenkliche Materialien wie Laub von Ahorn, Buche oder Eiche, Kastanien, Eicheln, Tannen- und Föhrenzapfen, Steine und Äste. Waschen Sie nach dem Sammeln und Basteln die Hände. Bei Unsicherheit über eine Pflanze gilt: lieber liegen lassen. Auch Pilze gehören nicht in die Sammelkiste, und bei Material aus der Nähe von Strassen oder Hundewiesen ist Zurückhaltung angebracht.

Material vorbereiten

Blätter und Blüten pressen

Legen Sie Blätter und Blüten zwischen Zeitungs- oder Löschpapier und beschweren Sie sie mit dicken Büchern oder einer Pflanzenpresse. Je nach Dicke sind sie nach etwa ein bis zwei Wochen trocken und flach. Wechseln Sie das Papier in den ersten Tagen einmal, wenn die Pflanzen sehr feucht sind. Gepresste Blätter behalten ihre Form, die Farben verblassen mit der Zeit aber etwas.

Zapfen, Rinde und Äste

Lassen Sie diese Materialien an einem trockenen, luftigen Ort trocknen. Kleine Tiere, die sich darin verstecken, wandern dabei oft von selbst aus. Wer ganz sicher gehen will, legt das Material einige Tage in eine verschlossene Box und kontrolliert es, oder legt es für ein, zwei Tage in den Tiefkühler. Feuchtes Material in geschlossenen Behältern kann schimmeln.

Kastanien und Eicheln

Kastanien lassen sich frisch am besten bearbeiten, solange sie noch weich sind. Löcher bohren mit einem Handbohrer oder Kastanienbohrer die Erwachsenen vor, bei älteren Kindern unter Anleitung. Die Kastanie sollte dabei nicht in der Hand gehalten werden, sondern auf einer Unterlage oder in einer Halterung fixiert sein, weil der Bohrer leicht abrutscht.

Ideen für Unterricht und Kurs

Projekt Material Geeignet ab
Naturmandala auf dem Boden Blätter, Steine, Zapfen, Blüten Kindergarten
Blätterdruck frische Blätter, Acryl- oder Stoffmalfarbe, Papier oder Stoff Unterstufe
Kastanienfiguren Kastanien, Zahnstocher, Eicheln Unterstufe
Webrahmen aus Ästen Äste, Schnur, Gräser, Wolle, Federn Mittelstufe
Landart Material vor Ort, Fotoapparat alle Stufen
Herbarium oder Naturbuch gepresste Pflanzen, Zeichenpapier, Bleistift Mittelstufe
Mobile oder Windspiel Treibholz, Schnur, Zapfen, Muscheln Mittelstufe

Besonders schön ist Landart: Gestaltet wird direkt in der Natur, mit dem Material, das vor Ort liegt. Die Werke bleiben zurück und verändern sich mit Wind und Wetter; dokumentiert wird mit der Kamera. Der britische Künstler Andy Goldsworthy hat mit solchen Arbeiten international bekannt gemacht, wie viel Poesie in Blättern, Steinen und Eis steckt. Für den Unterricht ist Landart ideal, weil sie Teamarbeit, Beobachtung und Fotografie verbindet. Geben Sie eine klare Aufgabe vor, etwa «nur gelbe Blätter», «eine Linie durch den Wald» oder «etwas, das schwebt».

Für den Herbst finden Sie weitere Anregungen im Ratgeber Bastelideen für den Herbst im Unterricht.

Kleben und Verbinden

Naturmaterial hat unregelmässige Oberflächen, das macht das Verbinden anspruchsvoller als bei Papier:

  • Bastelleim / Weissleim eignet sich für flache, poröse Materialien wie Blätter auf Karton.
  • Heissleim verbindet Zapfen, Äste und Steine schnell. Wegen der Verbrennungsgefahr nur unter Aufsicht und mit fester Ablage für die Pistole.
  • Schnur, Draht und Bast sind oft die schönste Lösung: Verknotet oder umwickelt bleibt das natürliche Material sichtbar.
  • Stecken mit Zahnstochern oder Holzstäbchen funktioniert gut bei Kastanien und weichen Früchten.

Naturmaterial mit Farbe kombinieren

Bemalte Steine, goldene Zapfen oder Blätterdrucke verbinden Natur und Farbe. Für Steine eignen sich Acrylfarben und Acrylmarker; sollen bemalte Steine im Freien liegen, schützt ein Schlussfirnis. Für Blätterdrucke tragen Sie Farbe dünn auf die Blattunterseite auf, wo die Adern stärker hervortreten, und drücken das Blatt auf Papier oder Stoff. Mehr zu Acrylfarben erfahren Sie im Ratgeber Acrylmalerei für Einsteiger.

Eine praktische Grundausstattung für Naturprojekte umfasst Gartenschere für Erwachsene, Kinderscheren, Schnur, Bast, Bastelleim, Acrylfarben, Pinsel, Zeichenpapier und eine Pflanzenpresse. Ergänzendes Material finden Sie in unserem Bereich Bastelmaterial.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, Blätter zu pressen?

Zwischen Zeitungs- oder Löschpapier und unter Gewicht sind Blätter je nach Dicke nach etwa ein bis zwei Wochen trocken und flach.

Darf man im Wald Naturmaterial sammeln?

Herabgefallene Blätter, Äste und Zapfen dürfen in der Regel in kleinen Mengen gesammelt werden. In Naturschutzgebieten gelten Sammelverbote, und geschützte Pflanzen dürfen nicht gepflückt werden.

Welcher Kleber hält Zapfen und Äste?

Heissleim verbindet unregelmässige Naturmaterialien schnell und gut, sollte aber wegen der Verbrennungsgefahr nur unter Aufsicht verwendet werden. Alternativ eignen sich Schnur, Draht oder Bast.