(öffnet in neuem Tab)

Papier & Druck

Recyclingpapier oder Frischfaser?

Recyclingpapier ist längst nicht mehr grau und staubig. Wir vergleichen beide Papierarten sachlich und zeigen, welche sich wofür eignet.

Redaktion Materialkollektiv4 Min. Lesezeit

Recyclingpapier oder Frischfaser? – Symbolbild

Für viele Schulen und Büros ist Papier das Verbrauchsmaterial schlechthin. Entsprechend häufig stellt sich die Frage, ob Recyclingpapier oder Frischfaserpapier die bessere Wahl ist. Das Bild vom grauen, rauen Umweltpapier, das im Drucker staubt, stammt aus früheren Jahrzehnten. Heute gibt es Recyclingpapiere in vielen Qualitäten und Weissegraden. Trotzdem haben beide Papierarten ihre Stärken.

Dieser Ratgeber erklärt die Herstellung, vergleicht die Eigenschaften und hilft Ihnen bei der Wahl.

Wie die beiden Papierarten entstehen

Frischfaserpapier wird aus Zellstoff hergestellt, der aus Holz gewonnen wird. Die Fasern sind lang und unbeschädigt, was dem Papier Festigkeit und eine sehr gleichmässige Oberfläche verleiht. Durch Bleichen und Zusätze lässt sich eine sehr hohe Weisse erreichen.

Recyclingpapier besteht ganz oder überwiegend aus Altpapier. Das Altpapier wird aufgelöst, von Fremdstoffen gereinigt und je nach gewünschter Qualität von Druckfarben befreit, das sogenannte Deinking. Dabei werden die Fasern mit jedem Durchgang etwas kürzer. Deshalb lässt sich Papier mehrmals, aber nicht unbegrenzt recyceln, und im Papierkreislauf braucht es immer auch einen Anteil frischer Fasern.

Die Eigenschaften im Vergleich

Kriterium Recyclingpapier Frischfaserpapier
Rohstoff Altpapier Zellstoff aus Holz
Weisse von naturgrau bis hochweiss erhältlich meist sehr hoch
Oberfläche je nach Sorte etwas offener sehr gleichmässig
Drucker und Kopierer moderne Sorten für Büro-Geräte geeignet problemlos
Bildwiedergabe für Text und Grafik gut Vorteile bei Fotos und feinen Farbverläufen
Rohstoffverbrauch schont Holzressourcen benötigt frische Fasern

Wichtig: Innerhalb beider Gruppen gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Ein hochwertiges Recyclingpapier kann im Alltag kaum von Frischfaserpapier zu unterscheiden sein, während ein sehr günstiges Frischfaserpapier unter Umständen mehr staubt.

Umweltlabels richtig lesen

Labels helfen bei der Einordnung, bedeuten aber nicht alle dasselbe:

  • Blauer Engel: Für Papier vergeben, das zu 100 Prozent aus Altpapier besteht und weitere Kriterien bei Herstellung und Chemikalien erfüllt.
  • FSC Recycled: Das Papier besteht aus Recyclingmaterial, die Lieferkette ist zertifiziert.
  • FSC Mix: Eine Mischung aus Fasern aus FSC-zertifizierten Wäldern, Recyclingmaterial und kontrollierten Quellen.
  • FSC 100 % und PEFC: Kennzeichnen Frischfaser aus Wäldern, die nach den jeweiligen Standards bewirtschaftet werden.
  • EU Ecolabel: Berücksichtigt unter anderem Energie- und Wasserverbrauch sowie Emissionen der Herstellung.

Frischfaserpapier mit einem Waldlabel und Recyclingpapier schliessen sich also nicht aus: Beide können eine verantwortungsvolle Wahl sein. Wer möglichst wenig frische Fasern verbrauchen möchte, greift zu Recyclingpapier mit hohem Altpapieranteil.

Achten Sie beim Lesen der Verpackung auch auf Formulierungen ohne geschütztes Label. Begriffe wie «umweltfreundlich» oder «nachhaltig» sind nicht einheitlich definiert. Aussagekräftiger sind konkrete Angaben: der Anteil an Altpapier in Prozent, ein anerkanntes Zertifikat mit Lizenznummer oder Hinweise zur Bleiche, etwa chlorfrei gebleichter Zellstoff. Im Zweifel lohnt sich der Vergleich der Produktdatenblätter, die viele Hersteller zur Verfügung stellen.

Wie steht es um Archivierung?

Ein häufiges Vorurteil lautet, Recyclingpapier sei für die Archivierung ungeeignet. Das stimmt so pauschal nicht. Entscheidend ist, ob ein Papier alterungsbeständig ist. Dafür gibt es Normen wie ISO 9706 oder die Lebensdauerklassen nach DIN 6738. Es gibt Recyclingpapiere, die solche Anforderungen erfüllen. Wenn Sie Dokumente langfristig aufbewahren müssen, achten Sie deshalb auf diese Angabe auf der Verpackung – unabhängig davon, ob es sich um Recycling- oder Frischfaserpapier handelt. Tipps für die Ablage finden Sie im Ratgeber Ein Ablagesystem mit Ordnern und Registern aufbauen.

Welche Papierart passt wofür?

  • Kopien, Arbeitsblätter, interne Unterlagen: Recyclingpapier ist hier eine naheliegende Wahl. Die Qualität reicht für Text und Grafiken gut aus.
  • Briefe und offizielle Dokumente: Beide Varianten sind möglich. Ein hochweisses Recyclingpapier wirkt ebenso professionell wie Frischfaser.
  • Präsentationen mit Fotos: Frischfaserpapier spielt seine Vorteile bei feinen Farbverläufen aus.
  • Kunst und Gestaltung: Hier zählen Oberfläche, Leimung und Grammatur. Für Zeichen- und Malpapiere gelten eigene Kriterien.

Ein pragmatischer Ansatz für Schulhäuser und Büros: Legen Sie Recyclingpapier als Standard in alle Kopierer und halten Sie für besondere Anlässe, etwa Zeugnisse, Urkunden oder Fotodrucke, einen kleinen Vorrat an hochweissem Spezialpapier bereit. So stimmen Qualität und Ressourcenverbrauch für den jeweiligen Zweck. Testen Sie vor einer Umstellung ein Paket der neuen Sorte in allen Geräten, besonders in älteren Kopierern und Druckern mit Duplexeinheit.

Die Grammatur ist bei beiden Papierarten gleich zu lesen. Was die Zahlen bedeuten, erklärt der Ratgeber Papiergewicht und Grammatur.

Recyclingpapier in der Schule

Schulen haben eine Vorbildfunktion, und Nachhaltigkeit ist im Lehrplan 21 als fächerübergreifendes Thema verankert. Recyclingpapier im Kopierraum lässt sich gut mit dem Unterricht verbinden: Schülerinnen und Schüler können zum Beispiel selbst Papier schöpfen, den Papierkreislauf nachzeichnen oder untersuchen, welche Labels auf den Verpackungen im Schulhaus stehen. Ein einfaches Experiment zeigt den Unterschied: Reissen Sie ein Recycling- und ein Frischfaserblatt ein und betrachten Sie die Rissränder mit der Lupe. Die längeren Fasern des Frischfaserpapiers sind oft gut zu erkennen. Weitere Ideen für einen bewussten Einkauf finden Sie im Ratgeber Schulmaterial nachhaltig einkaufen.

Weniger Papier ist auch eine Lösung

Unabhängig von der Papierart lässt sich der Verbrauch oft senken: beidseitig drucken, Entwürfe am Bildschirm prüfen, mehrere Seiten pro Blatt für Notizen und Fehldrucke als Schmierpapier weiterverwenden. Für beidseitigen Druck lohnt sich ein Papier mit guter Opazität, damit nichts durchscheint. Hinweise dazu gibt der Ratgeber Das richtige Druckerpapier wählen.

Recycling- und Frischfaserpapiere in verschiedenen Qualitäten finden Sie in unserem Bereich Papier und Etiketten.

Dieser Ratgeber stammt von der Redaktion Materialkollektiv – Menschen aus Gestaltung und Unterricht, die das Material im Alltag selbst einsetzen.

Häufige Fragen

Schadet Recyclingpapier meinem Drucker?

Moderne Recyclingpapiere für Büro-Anwendungen sind für Laser- und Tintenstrahldrucker sowie Kopierer ausgelegt. Achten Sie auf die Herstellerangaben auf der Verpackung.

Ist Recyclingpapier für Dokumente geeignet, die lange aufbewahrt werden?

Ja, sofern es als alterungsbeständig gekennzeichnet ist, zum Beispiel nach ISO 9706 oder DIN 6738. Das gilt für Recycling- und Frischfaserpapier gleichermassen.

Was bedeutet der Blaue Engel bei Papier?

Papier mit dem Blauen Engel besteht zu 100 Prozent aus Altpapier und erfüllt zusätzliche Anforderungen an die Herstellung, etwa beim Einsatz von Chemikalien.