Handlettering ist das Zeichnen von Buchstaben. Anders als beim Schreiben geht es nicht um Tempo, sondern um Form, Rhythmus und Komposition. Jeder Buchstabe wird bewusst gestaltet, oft aus mehreren Strichen aufgebaut und mit Schatten, Verzierungen oder Farbverläufen ergänzt. Das Ergebnis schmückt Karten, Plakate, Tafeln, Skizzenbücher oder Klassenzimmerwände.
Der Einstieg ist einfacher als gedacht: Ein paar Stifte, glattes Papier und regelmässiges Üben genügen. Entscheidend ist, die Grundstriche zu verstehen, aus denen fast alle Buchstaben entstehen.
Lettering, Kalligrafie, Typografie – was ist was?
- Kalligrafie ist die Kunst des schönen Schreibens. Buchstaben entstehen meist in einem Zug mit Breitfeder, Spitzfeder oder Pinsel. Mehr dazu im Ratgeber Kalligrafie mit Feder und Tusche.
- Handlettering ist das Zeichnen von Buchstaben. Man darf nachzeichnen, korrigieren, ausmalen und kombinieren.
- Brush Lettering ist eine Form des Letterings mit Pinselstiften, die an Kalligrafie angelehnt ist: dicke Abstriche, dünne Aufstriche.
- Typografie ist die Gestaltung mit bestehenden Schriften, etwa am Computer.
Das Material für den Start
Stifte
- Brush Pens mit kleiner, fester Spitze: ideal für den Einstieg, weil sie sich gut kontrollieren lassen. Ein Beispiel ist der Pentel Brush Sign Pen.
- Brush Pens mit grosser, flexibler Spitze: für grössere Buchstaben und ausdrucksstarke Kontraste. Sie verlangen etwas mehr Übung.
- Pinselstifte mit echten Haaren oder Pinselspitze aus Faser, etwa der Pentel Pocket Brush oder die Pitt Artist Pens von Faber-Castell mit Pinselspitze.
- Fineliner in verschiedenen Strichstärken für Monoline-Schriften, Konturen und Verzierungen.
- Bleistift HB oder H und ein weicher Radiergummi für Vorzeichnungen.
- Farbige Filzstifte mit Pinselspitze für Farbverläufe, zum Beispiel aus den Sortimenten von Stabilo.
Eine Auswahl an Brush Pens, Finelinern und Zubehör finden Sie unter Kalligrafie- und Lettering-Bedarf sowie bei den Farbstiften und Filzstiften.
Papier
Brush Pens mögen glattes Papier. Raues Zeichenpapier oder Recyclingpapier franst die Fasern der Pinselspitze aus und lässt den Strich ausfransen. Gut geeignet sind glattes Laserdruckerpapier, Markerpapier oder spezielle Letteringblöcke. Für Übungen reicht ein glattes Kopierpapier mit hoher Weisse völlig aus. Wenn Sie mit Wasser arbeiten, etwa für Farbverläufe mit wasserbasierten Brush Pens, braucht es schwereres, glattes Papier.
Die Grundregel: dick nach unten, dünn nach oben
Beim Brush Lettering entsteht der Kontrast durch Druck:
- Abstriche (Bewegung nach unten): mit Druck, die Spitze liegt flach auf, der Strich wird breit.
- Aufstriche (Bewegung nach oben): mit wenig Druck, nur die Spitze berührt das Papier, der Strich wird fein.
Halten Sie den Stift flacher als beim Schreiben, etwa im Winkel von 45 Grad zum Papier, damit die Seite der Spitze arbeiten kann. Und vor allem: langsam. Lettering ist kein Schreiben, sondern Zeichnen.
Grundstriche üben
Fast alle Kleinbuchstaben lassen sich aus wenigen Grundformen zusammensetzen. Üben Sie diese Formen zeilenweise, bis sie gleichmässig werden:
- Aufstrich (dünn, schräg nach oben)
- Abstrich (dick, gerade nach unten)
- Überschwung (dünn hinauf, Bogen, dick hinunter) – wie bei n und m
- Unterschwung (dick hinunter, Bogen, dünn hinauf) – wie bei u
- Kombination aus Über- und Unterschwung
- Oval – Grundform von a, d, g, o, q
- Aufschwung mit Schleife – wie bei b, h, k, l
- Abschwung mit Schleife – wie bei g, j, y
Ein Trick, der die Buchstaben sofort harmonischer macht: Heben Sie den Stift zwischen den Grundstrichen ab. Viele Letterer setzen jeden Buchstaben aus einzelnen Strichen zusammen, statt in einem Zug zu schreiben.
Hilfslinien und Layout
Gleichmässige Buchstaben brauchen Hilfslinien. Zeichnen Sie mit Bleistift vier Linien: Unterlänge, Grundlinie, Mittellinie (x-Höhe) und Oberlänge. Ergänzend helfen schräge Linien im gleichen Winkel, damit alle Buchstaben dieselbe Neigung haben. Wer viel übt, legt ein vorbereitetes Linienblatt unter dünnes, durchscheinendes Papier.
Für ein ganzes Layout, etwa eine Karte oder ein Plakat, gehen Sie in Schritten vor:
- Kleine Skizzen (Thumbnails) mit verschiedenen Anordnungen.
- Wichtigstes Wort bestimmen und am grössten gestalten.
- Komposition mit Bleistift in Originalgrösse vorzeichnen.
- Mit Brush Pen oder Fineliner nachziehen.
- Nach dem Trocknen Bleistift sorgfältig wegradieren, dann Schatten und Verzierungen ergänzen.
Handlettering in Schule und Kurs
Handlettering eignet sich hervorragend für den Unterricht: Es verbindet Schrift, Gestaltung und Feinmotorik. Im BG oder in einer Projektwoche entstehen Klassenmottos, Plakate, Etiketten für das Schulzimmer, Grusskarten oder Titelseiten für Hefte. Für Klassensätze lohnen sich Brush Pens mit fester Spitze, weil sie robuster sind. Bewährt hat sich zudem, die Grundstriche zuerst mit einem gewöhnlichen Bleistift zu üben und den Dick-dünn-Kontrast durch Nachzeichnen der Abstriche zu simulieren – das sogenannte Faux Calligraphy.
Wer im Kurs mit Erwachsenen arbeitet, plant pro Person einige Stifte in zwei Spitzengrössen und einen Block glattes Papier ein. Hinweise zur Planung finden Sie im Ratgeber Material für Workshops und Kurse planen.
Häufige Anfängerfehler
- Zu schnell: Tempo führt zu zittrigen Aufstrichen und ungleichen Abständen.
- Zu steiler Stift: Wird der Brush Pen senkrecht gehalten, gelingen keine breiten Abstriche, und die Spitze nutzt sich schnell ab.
- Raues Papier: zerstört die Spitzen und lässt Striche ausfransen.
- Ungleiche Abstände: Der Raum zwischen den Buchstaben wirkt wichtiger als die Buchstaben selbst. Lieber etwas mehr Abstand als zu wenig.
- Nicht trocknen lassen: Tinte vor dem Radieren vollständig trocknen lassen, sonst verschmiert sie.



